Wohnungsuche - Part 284

(Ok, die Zahl ist erfunden. Ich habe aufgehört zu zählen, aber gefühlt ist sie richtig.)
Das zweitschlimmste bei der Wohnungssuche in einer (fast) unbekannten Stadt ist, wenn man den eigentlich vorher extra gekauften Stadtplan bei der Abreise auf dem Schreibtisch liegen lässt (und das erst mekrt, wenn man 450 km durch die Gegend gefahren ist). Aber das allerschlimmste bei der Wohnungssuche in einer (fast) fremden Stadt ist, wenn das Handy exakt bei der Ankunft meldet, dass der Akku sich dem Ende neigt. 36 hours to go…

Die Jugendherrberge Konstanz ist ein ganz gemütlicher Ort, zumal ein Teil schon recht alt ist und wohl mal eine Art Leuchtturm war. Entsprechend hat man einen wunderschönen Blick auf den Bodensee, zumindest, wenn man etwas weiter oben im Turm wohnt. Das etwas war in meinem Fall die vorletzte Etage, ohne Aufzug versteht sich. An Treppen kann man sich ja gewöhnen (und außerdem bin ich ja noch jung und fit), aber spätpubertäre Möchtegerngängster der Marke Ich-höre-meine-Musik-aus-Handyspeakern-so-laut-dass-alle-was-davon-haben sind doch zu viel. Auch wenn sie nur im Nachbarzimmer wohnen, aber der Gang und das alte Treppenhaus im Turm waren leider sehr hellhörig. Auch Nachts um 12 Uhr. Aber Diskussionen mit Berufsschülern, die zusammen wahrscheinlich weniger IQ haben als meine übrigen Frühstückskrümel, münden leider nur in wüsten Beschimpfungen des weiblichen Elternteils. Wenn ich mir überlege, dass solche Leute später mal meine Fließen legen wollen und dabei wahrscheinlich auch noch mehr verdienen als ich mit meiner 50% TVL-Doktorantenstelle, fehlt mir irgendwo der Sinn für Verständnis.
Aber darüber will ich gar nicht schreiben, das sind Dinge, die einem zwar das letzte bisschen Verstand rauben können, jedoch nicht wirklich änderbar sind. Viel lieber will ich euch von meiner großartigen Wohnungssuche erzählen (ohne Stadtplan und Handy, nur zur Erinnerung). Der erste Termin war gleich am Abend nach meiner Ankunft, zum Glück hatte ich mir so einigermaßen den Weg gemerkt, den ich fahren muss. Genaueres wollte ich dann zwar erst in Konstanz planen, ging aber ohne Stadtplan schlecht. Also auf gut Glück in der näheren Umgebung geparkt und mal drauf los gelaufen. Irgendwann (ca. 2 Minuten später) stand ich vor dem schweizer Zoll, was mir dann doch verriet, dass das die falsche Richtung war. Zum Glück stand dort auch ein Hotelroutenplaner mit einer kleinen Karte der Umgebung, so dass ich den richtigen Weg suchen konnte. Ich hätte einfach nur von meinem Parkplatz 15 Meter in die andere Richtung gehen müssen, da wäre die gesuchte Straße auch schon gewesen… Naja, Studenten nehmen Zeiten eh nicht so ernst, also alles in Butter. Die Wohnung ist ein bisschen älter, hat aber alles was man so braucht und einen ganz eigenen Charme (der aufmerksame Leser hat den Tempuswechsel im Text bemerkt). Aber das wichtigste sind natürlich die Mitbewohner, zwei von drei ziehen aus, so dass also sogar zwei Zimmer frei werden, bleibt noch einer. Besser gesagt eine. Circa 75 (!) Minuten später war dann eigentlich schon alles klar. Somit war das wohl meine längste, aber auch schönste Wohnungsbesichtigung. Ich habe noch nie jemanden getroffen (zumindest keine Frau), mit dem ich so auf einer Wellenlänge bin. In sämlichen wichtigen Breichen des Lebens (Arbeitseinstellung -> Schlafen, Musik -> Konzerte, Freizeitgestaltung -> Parties) haben wir die gleiche Vorstellung. Das zweite Zimmer war quasi schon wieder vermietet, allerdings hatte sie es noch nicht weitergeleitet. Somit haben wir gleich ein zweites Treffen zu dritt ausgemacht um uns alle gegenseitig nochmal kennen zu lernen. Das sollte/hat dann am Dienstag stattfinden und nach gegenseitigen Rücksprachen hatte sich die neue Zusammensetzung der WG gefunden. Wahnsinnig unkompliziert, wenn ich das vorher geahnt hätte, wären mir bestimmt einige Haare weniger ausgefallen.
Das war die schnellste und einfachste Wohnungssuche, die ich bisher hatte. Ok, in München ging es auch recht flott, aber da war es mir gelinde gesagt egal, mit wem ich zusammenwohne, es sollte ja nur für 6 Monate sein. Hier hingegen ist das schon wichtiger gewesen, das musste einfach alles passen, denn so großartige Lust habe ich nicht, ständig umzuziehen. Irgendwann reicht es auch mir mal (wobei ich das jetzt sage, mal sehen was in einem Jahr so ist, Ich kenn’ mich ja).
Natürlich habe ich mir noch mehr Wohnungen angesehen, aber das war alles nicht weiter erwähnenswert. Außer vielleicht, dass ich eben immernoch keinen Stadtplan dabei hatte und auf Grund des leeren Akkus mein Handy auch nicht mehr so richtig wollte. Naja, trainiert alles nur den Orentierungssinn und das Gedächtnis, und Konstanz kenne ich dadurch auch schon ganz gut. Aber alles, was ich sonst so gesehen habe, hat mich nur noch mehr darin bestätigt, in diese WG zu wollen. Es gibt extrem komische Leute auf der Welt, das will ich nicht unerwähnt lassen. Aber, um himmelswillen, die sollten besser keine WG vermieten…
Außerdem habe ich gleich meinen Einstellungsantrag an der Uni abgegeben und diverse Unterlagen abgeholt, die man so braucht, wenn man in einer Einrichtung des öffentlichen Dienstes anfangen will. Am 1. März geht es nun definitiv los.

Liebes Jahr 2009, wenn du so weitergehen könntest, wie im ersten Monat, kommt die beste Zeit meines Lebens grade erst.

Der Beitrag wurde am Mittwoch, den 28. Januar 2009 um 17:43 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Konstanz, Me abgelegt. Folgende Tags wurden dabei verwendet , , . Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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