Julias CD-Projekt 2008: Rise Against - Appeal to Reason

Lange habe ich euch diese Kritik schon versprochen und nun habe ich endlich mal Zeit mich auch darum zu kümmern bzw. den Text eigentlich nur noch zu vervollständigen. Außerdem wird das die letzte Albumbesprechung (unter diesem Namen) sein, denn 2008 geht ja nunmal zu Ende. Wenn gewünscht und wenn sich die Gelegenheit bietet, werde ich das Projekt fortführen. Musik wird es auch im nächsten Jahr genug geben.

Die Chicagoer Band Rise Against gehört zu meinen absoluten Lieblingsbands, daran hat sich im Laufe der Jahre nichts geändert. Und auch das neue Album lässte eine deutliche Entwicklung erkennen. Wo früher die Themen sehr persönlich waren, es um Liebe, Schmerz und Zukunft ging (verpackt in diesen typische, kraftvollen Sound), so ist Appeal to Reason wesentlich politischer motiviert. Die Band bezieht ganz klar Stellung gegen die Bush-Regierung und spart nicht mit deutlichen Worten, womit sie auf einer Augenhöhe mit Anti Flag im politischen Punk zu sehen ist.
Das Albumcover wirkt chaotisch und drückt sicherlich auch genau diese Stimmung des Widerstands aus, ich habe zwar nichts darüber gelesen, aber es würde mich nicht wundern, wenn jede Figur auf dem Cover einen Bezug zu einem bestimmten Song herstellt.
Bemerkenswert ist übrigens, dass das Album zuerst in Europa erschienen ist, ein Tribut an die Fans hier, denn die Basis in Amerika ist längst nicht so breit, wie bei uns. Außerdem gibt es mittlerweile verschiedene Versionen mit diversen B-Seiten und zusätzlichen Songs. Da ich es gleich am Anfang nach der Veröffentlichung gekauft habe, kann ich allerdings nur die “Standardversion” besprechen. Macht euch trotzdem bereit für 13 energiegeladene Songs. [Titel Laufzeit Wertung]

  1. Collapse (Post-Amerika) 3:19 (4/5)
    Es beginnt wie von der Band gewöhnt und eigentlich hat man auch nichts anderes erwartet. Kräftiger, schneller Punkrock, es grandioser Start. Doch schon hier merkt man den deutlich politischen Einschlag, denn der Text geht keinesfalls unter. Die Stimme ist deutlich und klar wie eh und jeh. Das hohe Niveau bleibt durchgehend erhalten.
  2. Long Forgotten Sons 4:01 (3/5)
    Genauso schnell wie der erste Song endete, geht der zweite weiter. Wer jetzt noch seine Füße stillhalten kann ist selbst Schuld. Die Strophen an sich sind zwar etwas gebremster, der Refrain haut dafür aber umso mehr rein. Vielleicht nicht unbedingt ein perfekter Song, aber trotzdem unglaublich mitreißend.
  3. Re-Education (Through Labor) 3:42 (5/5)
    Der Song zum ersten Video, eine exzellente Wahl als Aufmacher für das Album. Der Bass brummt und die Gitarren harmonieren, dazu eine Stimme, die sich wohl jeder Sänger nur wünschen kann. Leider nur viel zu schnell wieder zu Ende, da hat man eher das Gefühl, da geht noch mehr und fehlt noch was.
  4. The Dirt Whispered 3:09 (3/5)
    Der Beginn ist bekannt und hört sich sehr nach Good Charlotte oder in Richtugn Collage Rock an, dafür ist der Song aber sehr schnell. Mitwippen kann man irgendwie dennoch, auch wenn es nicht ganz meins ist.
  5. Kotov Syndrome 3:05 (4/5)
    So kennt man die Band und der Song könnte locker auf dem letzten Album erschienen sein. Gute alte Zeiten. Schnelle Riffs und trommelnde Beats, dafür geht der Gesang ein bisschen unter und wird im Mittelteil auch mal vollkommen überlagert. Trotzdem kann man mitgrölen und sich richtig verausgaben.
  6. From Heads Unworthy 3:42 (3/5)
    Gitarrenintro mit Gesang, der Gänsehaut erzeugt. Die anderen Instrumente setzen erst später ein, sorgen dann aber für wesentlich mehr Geschwindigkeit, wobei der Gesang trotzdem die Oberhand behält. Gegen Ende wird dann nochmal mehr aufgedreht aber insgesamt weniger mitnehmend als die letzten Stücke, Pause muss ja auch mal sein.
  7. The Strength to Go On 3:27 (5/5)
    Die “Stärke” der Band merkt man hier wieder ganz deutlich. Die Boxen fliegen einem quasi um die Ohren, schnelle kräftige Teile wechseln sich mit langsameren Partien ab und sorgen so für eine wahrlich epische Stimmung, die die ganze Zeit über anhält und nicht im Geringsten langweilt.
  8. Audience of One 4:05 (3/5)
    Es beginnt viel langsamer und man fragt sich eher, was das hier zu suchen hat, denn es durchbricht die bisherige Stimmung des Albums. Dass dieser Effekt gewollt ist, möchte ich nicht bezweifeln, aber es kommt überraschend und passt im Moment nicht wirklich, auch wenn der Songe alleine betrachtet nicht schlecht ist.
  9. Entertainment 3:34 (4/5)
    Wahrscheinlich war der letzte Song doch nur eine Ausnahme, denn hier geht es wieder richtig zur Sache. Ein klass Zusammenwirken der Instrumente und des Gesangs reißt einen nicht nur vom Hocker sondern bewegt auch die Gliedmaßen ganz automatisch. Zwischendrin wird der Song durch eine Anwandlung durchbrochen, die an The Black Parade von My Chemical Romance erinnert, aber da das nicht so lange anhält und danach gleich wieder mächtig Fahrt aufgenommen wird, sei das verziehen.
  10. Hero of War 4:13 (5+/5)
    Eine (ist das noch Punk- ?)Ballade mit Akustikgitarre und Gesang, wie sie im Buche steht und nach Swing Life Away vom vorletzten Album (Siren Song Of The Counter Cult) ein weiteres großartiges Lied zu träumen. Wenn da der bitterböse Text nicht wäre. Anhörpflicht.
  11. Savior 4:02 (5/5)
    In Anschluss an das unübertreffliche letzte Stück ist es eine weise Entscheidung nicht gleich wieder so schnell zu beginnen. So vergeht ein bisschen Zeit, bis richtig Tempo in Spiel kommt aber dann gleich richtig. Bisher das beste Punkstück auf der Platte, eine Harmonie, die man im Blut haben muss. Sowas kann man nicht lernen.
  12. Hairline Fracture 4:02 (3/5)
    Der “Punk” fehlt ein bisschen in diesem Stück und es tendiert sehr in Richtung eines normalen Rocksongs. Das ist dann zwar durchaus nicht schlecht gemacht, passt aber nicht in das Bild der Band. Durch die Stimme des Sängers bleibt zwar die Handschrift von Rise Against erhalten, mich überzeugt es aber nicht. Es ist doch sehr radiotauglich.
  13. Whereabouts Unknown 4:02 (4/5)
    Es ist unglaublich wie schnell gute Musik die Zeit vergehen lassen kann, denn das ist schon das letzte Stück des Albums. Zum Schluss wird es nicht wirklich ruhiger, aber das ist man gewöhnt von der Band, denn der letzte Track sorgt immer nochmal richtig für Schwung. Im Prinzip könnte es noch länger so weitergehen und man wünscht sich das nächste Album herbei, das gerüchteweise auch gleich nach der Tour produziert werden soll.

Abschließend betrachtet ist das Album sehr typisch für Rise Against, kraftvolle Stücke wechseln sich mit melancholischen Teilen ab und jeder wird hierbei glücklich. Sicherlich sollte man eine Affinität zu Punkrock aufweisen, aber dann kann man sich der einnehmenden Wirkung der Platte einfach nicht mehr entziehen.

Weitere Links:
Bandwebsite
Myspace (ohne Songs?)
LastFM (viele Songs alter und des neuen Albums in voller Länge)

Abschließend nochmal einen Dank an julia, die dieses wunderbare Projekt ins Leben gerufen hat und mir damit gezeigt hat, dass es wirklich was bringt Musik zu “hören” und nicht nur im Hintergund laufen zu lassen. Denn auch das will gelernt sein und ist anstrengender, als man es sich am Anfang vielleicht vorstellt.

Der Beitrag wurde am Montag, den 22. Dezember 2008 um 14:34 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. Folgende Tags wurden dabei verwendet , , . Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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