Julias CD-Projekt 2008: Tomte - Heureka

Mit zeitnahen Albumkritiken habe ich es ja nicht so, aber bei Tomte mache ich da mal eine Ausnahme. Eigentlich war ja geplant, dass ich das neue Album von Rise Against Appeal To Reason zuerst bespreche, aber irgendwie hab ich grade mehr Lust auf Tomte. Neben der ganzen (schlechten, nervigen, unerträglichen) türkischen (Volks-)Musik, die mich tagtäglich von meinen Nachbarn beschallt, kann man entweder mit Krach antworten, oder sich gemütlich mit Kopfhörern zurückziehen und Tomte hören. Denn das neue Album ist anders, als die vorherigen. Ich weiß nicht, ob sie erwachsen werden, aber seit Du weißt, was ich meine von vor 10(!) Jahren hat sich einiges getan. Ob das neue Album überzeugen kann, wird sich zeigen müssen.

Da meine Faulheit diesmal gesiegt hat, bin ich nicht in den Laden gerannt um mir das Album zuzulegen, sondern habe auf den Onlineverkauf zurück gegriffen. Somit habe ich zwar keinen Aufnäher bekommen, der wohl jeden Album beiliegt, aber man kann ja nicht alles haben. Letztendlich soll die Musik überzeugen und ist das, worauf es ankommt. Beigaben sind gut, aber kein Muss.
Konzentrieren wir uns also auf die Musik. [Titel Laufzeit (Wertung)]

  1. Heureka 3:10 (3/5)
    Es beginnt mit einen Pianointro, was durchaus ungewöhnlich für Tomte ist und wohl den neuen Stil des Albums unterstreichen soll. Schlagzeug kommt erst sehr spät dazu, aber Thees Stimme erzeugt Gänsehaut. Klar und deutlich, sagt sie was Sache ist. Der Refrain ist nicht so ganz der Bringer, aber wenn man diesen bei Seite lässt, weiß der Song zu gefallen und stellt einen guten Einstieg dar.
  2. Wie ein Planet 3:33 (3/5)
    Schneller beginnt das zweite Stück und klingt irgendwie ein bisschen Madsen-mäßig. Dieser Eindruck setzt sich dann auch die ganze Zeit über fort, was aber keinesfalls schlecht ist. Man möchte mitwippen oder einfach nur in den unendlichen Weiten der Melodien versinken.
  3. Der letzte große Wal 3:54 (5/5)
    Die derzeitige Singleveröffentlichung ist ja schon eine ganze Weile zu hören. Sicher nicht unbedingt radiotauglich, aber eines der besten Stücke des Albums. Sanfte Tempowechsel, eine klasse instrumentelle Umsetztung und immernoch diese wunderbare Stimme.
    Wahrscheinlich mag man das Stück, oder man hasst es, aber diesen Leuten ist dann auch nicht mehr zu helfen.
  4. Wie sieht’s aus in Hamburg 3:27 (5/5)
    Normalerweise hat man bei den Gedanken an Hamburg gleich Regenwetter und Kälte im Kopf. Tomte kommen ursrünglich aus der Hansestadt, musizieren aber seit ein paar Jahren in Berlin. Dieses Stück ist somit wohl eine Erinnerung an die alten Zeiten und genau in den Stil ist es auch gemacht. Es werden Gefühle und Erinnerungen aufgefrischt, die alten Alben lassen grüßen. Einfach ein weiteres Glanzlicht Tomtes.
  5. Voran Voran 4:19 (2/5)
    Ganz langsam geht es los, man könnte sagen, man hört den schweren Dampfer in den Hamburger Hafen einfahren (wenn Tomte noch in Hamburg wären). So wirkt es sehr melancholisch, wobei das Stück dafür vielleicht ein bisschen zu hoch gespielt und gesungen ist. Nach den beiden wirklich guten Songs zuvor, geht dieser ein bisschen unter. Schade.
  6. Küss mich wach Gloria 3:56 (5/5)
    Was auch immer beim letzten Stück los war, es ist weg und das ist gut so. Denn Gloria reißt einem vom Hocker, solch eine Freude beim Hören kommt auf. Schneller, tiefer, rockiger, der Song küsst einen wirklich wach. Man kann sich nicht dagegen wehren, es dringt einfach in einen ein. Leider viel zu schnell zu ende.
  7. Es ist so, dass du fehlst 3:32 (3/5)
    Es beginnt ganz ähnlich zu Kettcars Ausfahrt zum Haus deiner Eltern und auch so, kann man eine deutliche Inspiration davon heraus hören. Wahrscheinlich bleibt das Lied deshalb ein bisschen schwach, wobei es nicht schlecht ist. Man kann wunderbar abschalten dabei, aber dieses ständiges Auf und Ab in der Qualität der einzelnen Stücke, ist anstrengend.
  8. Und ich wander’ 3:57 (4/5)
    Der Anfang ist sehr ‘pop’ig, jedoch nicht grade schnell. Es ist besser als das letzte Stück, da wieder mehr Wert auf den Gesang gelegt wird, was mir deutlich mehr gefällt. Jedoch kommen auch die Instrumente nicht zu kurz und die Mischung ist einfach stimmig. Somit erscheint es wesentlich kurzweiliger und macht mehr Laune.
  9. Du bringst die Story, ich bring den Wein 3:47 (4/5)
    Endlich mal ein paar mehr Gitarren! Das hat bisher die ganze Zeit über gefehlt und sorgt für neuen Hörschwung. Der Stil ist ganz ähnlich zu Küss mich wach Gloria, jedoch im Endeffekt nicht ganz so ausgereift, wahrscheinlich die neue Richtung von Tomte. So kann es gerne weitergehen.
  10. Das Orchester spielt einen Walzer 4:06 (3/5)
    Nochmal ein Piano, genau wie im ersten Song. Ein Walzer ist es zum Glück nicht ganz, aber sagen wir mal, gemütlich, ist es trotzdem.
    Ich bin sehr zwiegespalten, wie ich das Lied jetzt bewerten soll. Es gefällt einerseits, grade gegen Ende hin wird es wunderschön, aber der quälend lange Anfang kann mich nicht begeistern. Man kann weder ordenltich eintauchen und abschalten (das geht nur am Anfang), noch sich über die Musik freuen (das wiederum geht nur am Ende). Somit lasse ich es mal bei diesen Aussagen.
  11. Nichts ist so schön auf der Welt, wie betrunken traurige Musik zu hören 6:02 (5/5)
    Ja, das Stück heißt wirklich so und schon allein das verdient Respekt. Gleichzeitig geben Schlagzeug und Gitarre(n) ein perfektes Duo ab, Thees Stimme ist tief und fügt sich unmerklich in das Spiel ein. Es kommt Gänsehautfeeling auf und hält fast über die gesamte Länge des Songs an. Mittendrin gibt es dann einen radikalen Tempowechsel, den man zwar nicht erwartet, der aber unglaublich gut passt. Ein gutes Zeichen ist dabei, dass man die Länge aber nicht spürt, sondern sich wünscht, es möge ewig so weitergehen. Warum gibt es nicht mehr so tolle Musik? Allgemein und auf diesem Album.
  12. Dein Herz sei wild 4:20 (4/5)
    Damit findet das Album auch schon sein Ende. Es geht nochmal flott los, von Trennungsschmerz ist nichts zu spüren. Vielleicht hätte man es besser irgendwo in der Mitte plaziert, so hat man eher das Gefühl, das das Album nicht wirklich zu Ende ist. Es macht Laune, Lust auf mehr und am liebsten möchte man nochmal ganz von vorne beginnen.

Wie ihr seht, sind nicht alle Stücke von hoher Qualität und es gibt einige Längen auf dem Album. Trotzdem ist die neue Richtung von Tomte sehr spannend, musikalisch haben sie sich wirklich weiterentwickelt, während die Texte weiterhin teils traurig und melancholisch, teils aber auch frech und witzig sind. Das neue Album wird meine Meinung nach nicht viele neue Fans bringen, aber die Alten stellt es zu frieden.
Ich werde am 16. November auf jeden Fall zum Konzert in München gehen und sehen, ob die Show mit den guten Stücken gefüllt ist und somit zum Feiern anregen kann, oder ob es eher langweilig wird. Wobei ich mir das nur schwer vorstellen kann, die alten Stücke, sollte man ja nicht vergessen.

Links:
Bandwebsite
MySpace (zwei Songs vom neuen Album in vollen Länge)
Last.fm (leider ohne Stücke in voller Länge)

Der Beitrag wurde am Sonntag, den 19. Oktober 2008 um 15:24 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. Folgende Tags wurden dabei verwendet , , . Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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