Julias CD-Projekt 2008: The Wombats - The Wombats Proudly Present: A Guide to Love, Loss & Desperation

Ich glaube, das ist mein längster Beitragstitel bisher. Aber ich habe es ja auch oft genug angekündigt, heute also (endlich) die Kritik zu dem erwähnten Album.

Wombats sind bekanntermaßen australische Beuteltiere, die oft als sehr gemütlich angesehen werden. Was viele Leute aber nicht kennen, ist die Aggressivität, die diese Tierchen an den Tag legen können. Wer schonmal in Australien war, wird das von den Einheimischen sicherlich bestätigt haben können.
Die Band teilt diese Aggression mit den Wombats und hat nichts von der gedachten Gemütlichkeit. Man sollte sich auf schnellen, melodiösen Gitarrenrock einstellen, der irgendwie ein bisschen anders ist, als die sonstigen Britimporte. Über die Bandgeschichte will ich keine großen Worte verlieren, nur dass alle Musiker Absolventen der Liverpool School of Art and Design sind, sich aber mittlerweile dacon abgewendet haben und nur noch sehr ungern damit in Verbindung gebracht werden. In einem Interview (ich glaube mit dem Musikexpress) sagte der Sänger sinngemäß, man könne jedem Schwein Rhythmus beibringen, das Gefühl für gute Musik aber nicht. Ganz Unrecht hat er damit nicht, denn Gefühl für gute Musik hat die Band auf jeden Fall.
Das Cover der CD wirkt auf den ersten Blick wahnsinnig chaotisch, allerdings hat jedes Teil, das dort abgebildet ist, einen Bezug zum Album. Links oben Tales of Girls, Boys and Marsupials, rechts unten My first Wedding, die Freiheitsstatue für Moving to New York usw. Eine sehr kreative Idee. Aber genug der Einleitung (die schonwieder viel zu lang geworden ist), fangen wir mit der Musik an. [Titel Laufzeit (Wertung)]

  1. Tales of Girls, Boys and Marsupials 1:10 (4/5)
    Es geht ungewöhnlich los mit einem Kanon, dann Handgeklapper und Gesumme. Insgesamt wird eine fröhliche Stimmung vermittelt, man bekommt richtig Lust auf die folgenden Stücke. Zur Einleitung klasse gewählt. Und dann ist es auch schon wieder vorbei, eher eine Art Intro, als ein wirkliches Stück.
  2. Kill the Director 2:42 (4/5)
    Fast übergangslos beginnt der zweite Song, den ich auch schonmal verlinkt hatte. Ein schönes Schlagzeuintro, die irgendwie fröhliche Stimmung hält an, man mag Mitsingen, was bei dem Text auch nicht weiter schwierig ist. Das Tempo des Songs ist die gesamte Zeit über sehr hoch, was übrigens auch in den Auftritten der Band immer wieder für atemlose Fans sorgt. Eigentlich viel zu kurz.
  3. Moving to New York 3:31 (3/5)
    Eine der Singleauskopplungen, die wohl auch den Durchbruch der Band gebracht hat. Insgesamt “normaler” und damit massentauglicher, trotzdem bleit der Stil der Band erhalten. Nicht ganz so schnell, aber damit besser tanzbar. Guter Indierock, aber besonders ist anders.
  4. Lost in the Post 3:06 (3/5)
    Jaja, verloren wie ein Paket in der Post ist dieser Song ganz sicher nicht. Er beginnt wieder recht eigentümlich, ist dann aber doch stilmäßig dem letzten Song sehr ähnlich und entwickelt zum Ende hin wieder eine außergewöhnlich schnelle Rhythmik.
  5. Party in a Forest (Where’s Laura?) 3:27 (3/5)
    Harte Gitarren- und Schlagzeugklänge am Anfang, die sich aber Zugunsten des Gesangs schnell wieder verziehen. Wie die meisten Songs ist auch dieser vom Text her belanglos, es soll einfach Spaß machen zuzuhören, man muss sich nichts weiter dabei denken. Der Wombatstil ist unverkennbar, aber so langsam nutz er sich ab.
  6. School Uniforms 3:14 (4/5)
    Endlicher wieder mehr Geschwindigkeit, mehrere Brüche von Instrumenten und Gesang. Der Spaß vom Anfang kehrt zurück, aber was das mit Schuluniformen zu tun habe, weiß ich nicht.
  7. Here Comes The Anxiety 2:31 (4/5)
    Es beginnt wie eine Ballade und nimmt damit wieder die Geschwindigkeit heraus, die das letzte Stück so schön aufgebaut hat. Allerdings gefällt der Song trotzdem, irgendwas macht er anders als die vorherigen Tracks. Vielleicht ist es der vielseitige Einsatz der Instrumente?
  8. Let’s Dance to Joy Division 3:11 (5/5)
    Ohne Frage einer besten Songs des Albums, viele Tempowechsel, ein perfekt abgestimmtes Zusammenwirken von Musik und Gesang, der Spaß springt förmlich aus den Lautsprechern. Man möchte aufspringen und jeah, Let’s Dance to Joy Division!
  9. Backfire at the Disco 3:13 (3/5)
    Es wird wieder ruhiger und auch gewöhnlicher, wohl auch ein Grund, warum dieses Stück als Single herausgebracht wurde. Der persönliche Stil der Band geht ein bisschen unter, auch wenn das Stück keinesfalls wirklich schlecht ist.
  10. Little Miss Pipedream 4:12 (2/5)
    Das erste Stück mit über 4 Minuten Länge überhaupt auf dem Album. Erinnert so ein bisschen an Panic At The Disco, man kann mitwippen, da er sehr langsam ist, aber Stimmung mag nicht aufkommen. Das nervige “uhuuuuhuu” lässt einen das Ende herbei wünschen, was leider nicht so schnell kommt (da der Song eben recht lang ist)
  11. Dr. Suzanne Mattox PHD 3:33 (4/5)
    Gefällige Schlagzeugklänge, eine gute Gitarre dazu, so sollte Musik klingen. Die Lust kommt zurück, warum kann nicht jedes Stück auf dem Album so sein? Die Zeit vergeht wie im Flug und eigentlich wünscht man sich mehr davon.
  12. Patricia the Stripper 4:01 (4/5)
    Wie der allgemeine Konsens zu diesem Song ist, kann ich schwer einschätzen, aber einigen wird er wahrschenlich nicht so sehr gefallen. Ich mag ihn. Er beginnt mit einem Gitarrensolo, das sich langsam steigert, aber nicht die Höhe erreicht, die man vielleicht erwarten würde, bis plötzlich ein Geschwindigkeitswechsel erfolgt. Insgesamt wirkt der Track ungewöhnlich, aber die Mischung geht doch ins Blut. Ich würde es irgendwie in Richtung experimentelle Rockmusik ordnen.
  13. My First Wedding 6:38 (5/5)
    Zum Abschluss nochmal ein richtig gutes Stück, das jedoch nicht wirklich so lang ist, wie die Laufzeit sagt, denn anschließend folgt noch eine Instrumentalversion des ersten Stücks. Live ist My First Wedding der Höhepunkt des Konzerts und auch das Album hat damit ein großartiges Ende gefunden. Ein bracchiales Schlagzeug, schnelle Gitarrenriffs und kraftvoller Gesang. Wunderbar.
    Die Version von Tales of Girls, Boys and Marsupials ist nicht mehr als eine Zugabe, die nicht besonders ist, allerdings wird so der Bogen zum Beginn des Albums gespannt und man könnte doch gleich nochmal von vorne hören. Gerne.

Das Album ist insgesamt sehr kurz, was ein bisschen Schade ist, da ich gerne mehr davon hören würde. Nicht alle Stücke sind wirklich nach meinem Geschmack, aber im Ganzen mag ich das Album schon sehr.
Besonders live ist die Band allerdings zu empfehlen, da die Bühnenshow mehr Chaos als Plan verkörpert, was eine unglaubliche Sympatie rüberbringt.

Links:
Myspace (mit allen Songs des Albums als Hörproben)
Wikipedia
Last.fm
Bandseite

Der Beitrag wurde am Samstag, den 30. August 2008 um 16:36 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. Folgende Tags wurden dabei verwendet , , . Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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