Schweiß, Blut und Collagenase
Ich weiß nicht, für wen die Operation mehr anstrengend war. Für mich oder für den Frosch. Wobei…der war ja betäubt und hat es wahrscheilich gar nicht mitbekommen. Tricain für den Frosch, Alkohol für mich. Leider hatte ich alle Hände voll zu tun, so dass ich nur wenige Fotos machen konnte, dafür sind diese natürlich umso spektalulärer (wenn man sie in einem wissenschaftlichen Lich betrachtet). Die ersten beiden zeigen den Frosch munter vor der OP, die mittleren beiden, nachdem ich den Bauch schon aufgeschnitten hatte, aber die Eier nicht finden konnte, weshalb mir meine Kollegin, mit ein bisschen mehr Erfahrung auf dem Gebiet der Frosch-OP, zur Hand gegangen ist und sie mal locker flocking aus dem Bauch gezogen hat. Und die letzten Bilder zeigen den Frosch in der Aufwachphase.
Der Schnitt im Bauchbereich ist übrigens nur gut 1 cm groß und wird anschließend mit 4 Stichen genäht, wobei jeweils 2 pro Hautschicht verwendet werden, denn Frösche verfügen unter ihrer recht harten Lederhaut noch über eine Art Muskelhaut, die ganz ähnlich unserer ist. Aus einem Frosch kann man, je nach Größe, bis zu 20 ml (!) Eier herausholen, wobei man ihn dazu auf beiden Seiten aufschneiden muss. Ich habe mich mit erstmal ca. 5 ml zufrieden gegeben, das sollte vorerst reichen. Nur leider kann man die Eier außerhalb des Frosches nur eine Woche aufbewahren…
Nachdem die Eier draußen sind, hängen sie in einer Kollagenhülle, die natürlich entfernt werden muss. Das ist verdammt schleimig und sieht nicht so nett aus, aber dank dem wunderbaren Enzym Collagenase, ist diese Hülle in 2 h verdaut und damit weg. Zurück bleibt eine trübe Flüssigkeit, die man getrost entsorgen kann. Nun hängen die Eier aber immernoch zusammen an einem Blutgefäß (und immernoch ein bisschen Kollagen), so dass man sie vereinzeln muss, was bei einer Größe von nichtmal 1 mm gar nicht so einfach ist. Ohne Bino geht da gar nix. Und außerdem hat der Frosch ja nicht nur reife Eier zu bieten, man holt bei der OP natürlich Eier in jedem Entwicklungsstadium mit raus, also muss man alle kleinen, unreifen Eier abtrennen. Eine Heidenarbeit… Aber als wenn das nicht noch genug wäre, ist jedes Ei nochmal einzeln in eine Follikelhülle verpackt (die zwar auch aus Kollagen besteht, von der Collagenase aber nicht angegriffen werden kann, weil sie noch zu weit drinnen liegt in dem ganzen Gewebeschlonz), die auch noch weg muss. Wenn man nun von den 5 ml Eiern noch 200 Ganze übrig hat (die zerplatzen nämlich mal ganz gerne spontan bei Berührung), kann man sich glücklich schätzen. Und da bin ich nun grade angelangt.
Morgen mRNA-Injektion (so ich mich denn erinnern kann, wie ich diese Injektionsmaschine bedienen muss, denn die einzige Person, die sich damit ausgekannt hat, ist leider weg) und am Mittwoch Progesteronreifung. Allerdings ist das alles nicht so spannend, bzw. aufregend wie die OP, sondern eher Standardprotokolle.
In diesem Sinne, eine schöne (Standard-)Woche.