(nicht) freier Feierfreitag
In Bayern ist heute Feiertag, zumindest in den katholischen Gemeinden. Glücklicherweise ist München ja katholisch, so dass heute eigentlich frei ist. Alle Geschäfte haben geschlossen, die U-Bahnen fahren wie am Wochenende/Feiertag und die Straßen sind leergefegt (was aber auch am miesen Wetter leigen könnte). Im Gegensatz zu anderen zugezogenen Neubayern (und den Rest des Freistaates), habe ich nicht frei, konnte aber wenigstens ein bisschen eher nach Hause gehen. Ist ja auch mal was.
Die ganze Abteilung war wie ausgestorben, nur unsere Arbeitsgruppe war fast vollständig anwesend. Ansonsten Geisterbahnfeeling: leere Gänge, Wind und Regen, die gegen die Fenster drücken und prasseln, Totenstille, vereinzelt quietschende Schuhsohlen auf Laminat.
Warum ich nichtmal an einem Feiertag frei machen kann ist schnell erklärt, denn meine Zellen wollten versorgt werden (wie jeden Freitag und wenn ich den Rhytmus ändere funktioniert das alles nicht mehr) und nächste Woche steht ein großes Froschexperiment an. Montag wird der Arme von mir höchstpersönlich aufgeschnitten, ein Tel seiner Eier entnommen und wieder vernäht. Natürlich alles unter Betäubung, ganz große Tierquäler sind wir ja auch nicht. Bisher habe ich zwar auch schon mit Froscheiern gearbeitet, allerdings wurde diese gelegt und nicht operativ entfernt. Der Unterschied ist das Stadium, indem sich die Eier befinden. Während die gelegten Eier (quasi Froschlaich) sich am Ende von Meiose II befinden und dort arretiert sind, sind die operierten Eier noch vor Meiose I, so genannte Stage VI Oocyten. Und wenn man Effekte in Meiose I untersuchen will, braucht man eben Eier, die diese Phase nicht schon verlassen haben. Durch Progesteronbehandlung wird die Reifung induziert und die Eier gehen in Meiose über, durch verschiedene Tricks kann man sie dann zu dem Zeitpunkt wieder anhalten, den an gerne hätte. Soweit zur Theorei.
Die OP hab ich das bisher erst einmal gemacht und das war in meiner ersten Woche, was mittlerweile mehr als 3,5 Monate her ist… das wird ein Spaß. Bei letzten Mal wusste keiner mehr, wie der Knoten eigentlich zugeht, mit den der Faden verschlossen wird, denn der Frosch soll ja danach noch weiterleben. Das ist ein ganz spezieller OP-Knoten, weshalb ich den heute schonmal ein bisschen geübt habe, bevor das Tierchen wieder 30 min mit offenem Bauch daliegen muss. Abgenippelt ist er beim letzten Mal zum Glück nicht, aber gut war das bestimmt trotzdem nicht unbedingt für ihn. Wenn ich die Eier dann habe, müssen sie von ihrem Follikelsack befreit werden, was bei grade so 1 mm Größe nicht wirklich einfach ist, zumla sie auch ganz gerne kaputt gehen, wenn man sie ein bisschen zu heftig anpackt. Dienstag dann (hoffentlich) mRNA-Injektion und Mittwoch Progesteronbehandlung um die Reifung zu induzieren, so dass ich Abends “ernten” kann. Und dann wird sich zeigen, ob mein Projekt von Erfolg gekrönt sein wird. Alle Puffer, die ich für die ganze nächste Woche so brauchen werde, sind fertig, die Geräte sind steril und einsatzbereit. Fehlt nur noch der Frosch…
Ich glaube ich ändere mein Studienfach noch.
Hört sich wirklich interessant an. Wenn ich die Möglichkeit und vor allem das Wissen hätte, dann würde ich das bestimmt auch mal gerne “ausprobieren”.
Viele Grüße
Lucas
Gibt es die Möglichkeit Fotos zu machen? Also jetzt voll ästhetisch und wissenschaftlich und so? Besonders vom Knoten
Ansonsten: toi toi toi
PS: hier ist kein Feiertag, aber schönes Wetter und ich hab Urlauhaub!
@lucas
Das nötige “Wissen” dazu habe ich eigentlich auch nicht wirklich, da ich als Biochemiker nur in meinem allerersten Semester überhaupt was mit Tieren zu tun hatte. Da gab es ein physiologisches Praktikum, indem wir verschiedenste Tiere aufgeschnitten haben. Allerdings ist das fast vier Jahre her…
Ich hoffe, dass auch Übung den Meister macht und ich mit der Zeit die Technik verinnerliche.
@julia
Gute Idee, da ich sowieso Zuschauer haben werde (so eine Frosch-OP ist immer Großereignis im Lab), könnten die ja eigentlich auch mal Fotos machen. Zu dem Knoten werde ich mir vll mal eine Zeichnung überlegen.
p.s.: dann mal ein paar schöne freie Wochen und weiterhin so gutes Wetter.