Regen, Sonne, Trockeneis
Mehr oder weniger wohlbehalten bin ich vom Sonnenrotfestival zurück. Es war laut, schlammig, heiß, aber wunderschön.
Schon die Anreise hat uns vor größere Schwierigkeiten gestellt, als wir das erwartet haben. Schon allein mit meinen Sachen war mein Kofferraum gut gefüllt, aber da haben noch zwei andere Camper und ein Tagesbesucher gefehlt. Zuerst gings zu einer Kollegin (nach mochte ich sie nicht Freundin nennen, man kennt sich halt so von der Arbeit, hat schonmal drei Worte gewechslet und irgendwie festgestellt, dass man einen sehr ähnlichen Musikgeschmack teilt), die noch eine Freundin zu Besuch hatte. Somit waren die Camper komplett und mein armer Polo schon völlig ausgefüllt. Allerdings mussten wir noch zum MPI einen weiteren Kollegen, der nur Freitag dableiben wollte/konnte, und, ganz wichtig, das Trockeneis abholen. Trockeneis ist eine tolle Erfindung: Bier von Raumtemperatur auf Kühlschrank in 5 Minuten. Das also in eine große Styroporkiste und halbvoll mit Trockeneis. Mein Polo war damit überladen, allerdings hat nun noch das Wichtigste gefehlt: Bier (ok, und irgendwie was zum Essen und Wasser ist auch nicht so verkehrt). Also noch zum Discouter mit A und einkaufen, so dass jetzt wirklich jede kleine Staumöglichkeit in meinem Auto ausgenutzt war. Die Fahrt selbt hat dann nur 35 Minuten gedauert.
Endlich angekommen, Auto geparkt und Zelt aufgebaut. Das Schöne am Sonnenrot ist, dass Camping und Parken nicht getrennt sind. Man spart sich die Schlepperei der ganzen Ausrüstung, sondern parkt einfach, schmeißt es aus dem Auto und stellt sein Zelt auf. Allerdings ist das auch der größte Nachteil am Sonnenrot, denn natürlich müssen die Soundanlagen der Autos Nachts sich alle gegenseitig überbieten. Man will ja zeigen was man hat.
Da es mittlerweile gegen 17 Uhr war und Blackmail schon fast anfingen, ging es nach einem schnellen (kalten) Bier zum Gelände. Blackmail ist einfacher, guter Rock aus deutschen Landen, aber nicht in Richtung der Deutschrockfraktion, sondern sehr eigenständig. Ich selbst kannte bisher nur das letzte Album und habe ihren Auftritt auf dem Southside leider nicht sehen können, so dass sie mich wirklich begeistert haben. Eine richtig gute Bühnenshow, auch wenn nur 400 Leute oder so anwesend waren, und sogar eine Crowdsurfing-Einlage des Sängers. So konnte es weitergehen.
Die Shout Out Louds ließen ein bisschen auf sich warten und der Himmel hat sich immer mehr zugezogen, nach den ersten beiden Songs ging es dann auch los mit dem Wolkenbruch, der bis Samstagmorgen nicht mehr aufgehört hat. Der Zeltplatz war eine Sumpflandschaft und das Festivalgelände, grade vor den Bühnen, eine Schlammgrube. Wie gut, dass ich meine festen Schuhe dabei hatte… Die Shout Out Louds haben wir uns leider nicht weiter angesehen, was mich wirklich geärgert hat, da ich sie sehr gerne mag. Auf der Zeltbühne lief zu der Zeit grade Get Well Soon, ein Typ mit Anhängsel, der sich am ehesten mit einer Mischung aus British Sea Power und, ja was eigentlich noch?, beschreiben lässt. Man kann ihm im Sinne seines Künstlertitels nur wünschen, dass er wirklich bald gesund wird und anfängt gute Musik zu machen, denn der hat mich nicht wirklich überzeugt.
Nach eine Pause, die wir schnell genutzt haben um zum Auto zu kommen und feste Sachen zu holen, da der Regen garde etwas nachgelassen hatte, ging’s auch im Zelt weiter mit Zoot Woman, eine Elektro-Rock-Folk-Mischung, die ein bisschen an Placebo erinnert. Mir bisher völlig unbekannt, aber meine Mitfahrer haben sich für sie eingesetzt und da es eh geregnet hat, so dass The Hives im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen sind, war es doch gar nicht so schlecht. Und was tut man nicht alles für die Frauen, aber ich glaube das passt hier weniger.
Den Abschluss im Zelt haben Northern Lite aus Erfurt gebildet, die wiederum meine anderen Leute nicht kannten, ich hingegen schon. So viel gute(!) Musik kommt nunmal nicht aus meiner Heimat und da muss man ein bisschen Lokalpatriotismus zeigen. Ich denke aber, meinen Mitfahrer hat es gefallen. Wegen des anhaltenden Regens sind wir dann auch schon sehr bald ins “Bett”, aber Schlaf war weniger zu finden, wie gesagt, die Autosoundanlagen wollten getestet werden. Eine Nacht mit Johnossi und Seeed.
Der Samstag war dann überraschenderweise wieder trocken, zumindest von oben. Die Platzverhältnisse hab ich ja schon beschrieben und auch die aufkommende Sonne, die mir mal wieder einen schönen einseitigen Sonnenbrand geschenkt hat (quasi wirklich Sonnenrot), hat daran bis zum Abend nichts zu ändern vermocht.
Nach zwei Frühstücksbier ging es schon halb eins zu Wrongkong, eine (noch) unbekannte, aber sehr hörenswerte Band. Schon auf dem Southside waren sie dabei und meine Mitreisenden von dort haben mir empfohlen sie mir anzusehen. Und ich habe es nicht bereut, denn die Musik ist eingänig und wunderbar rockig.
Zeit für das nächte kalte Bier, denn unser Trockeis war immernoch nicht sublimiert, was uns sehr viele Freunde in unserer Umgebung gemacht hat. Mit kaltem Bier kann man Menschen glücklich machen.
Später ging es weiter mit Johnossi, diesmal aber live auf der Bühne und nicht nur im Autoradio. Was soll ich dazu noch großartig erzählen? Zwei Leute, die nur mit Gitarre und Schlagzeug so einen grandiosen Sound erzeugen können, muss man einfach lieben.
Anschließend haben die Kilians gerockt, die ich schon im letzten Oktober gesehen habe, damals als noch recht unbekannte Band. Meine Formulierung damals:
Die Vorband war richtig gut und ich hoffe wirklich sehr für sie, dass sie den Durchbruch schaffen. das Potential dazu haben sie wirklich. Wenn man den Sänger sieht, denkt man nicht, dass dort so eine großartige Stimme rauskommen kann, aber das ist der Hammer.
Mehr lässt sich hinzufügen, die Band hat sich gemacht und nochmal ordentlich dazu gelernt.
Auf der Zeltbühne hat sich der Zeitplan irgendwie verschoben, so dass nun alle Bands dort und auf der Hauptbühne parallel gespielt haben, was sehr ungünstig war. Fertig, Los konnten wir uns deshalb nicht so wirklich ansehen, aber ich werde mich damit nochmal befassen, denn irgendwie haben mich die drei gehörten Songs von ihnen schon bewegt. Parallel dazu haben Chikinki im Freien gespielt. So wirklich besonders sind sie nicht, typischer Indie-Brit-Rock, der wahrscheinlich mit der Welle zu uns gekommen ist. Man kann sie durchaus hören, aber naja, im Prinzip just another Indieband.
Da es im Zelt nun so langsam unerträglich wurde (Hitze + Wasser erzeugt Nebel und schlechte Luft), sind wir vorerst draußen geblieben und haben und die Donots gehört, wobei es die gleiche Show wie auf dem Southside war.
Nun haben zeitgleich Kettcar und I Am Kloot gespielt, eine wirklich schwere Entscheidung. Da ich aber ja nun schon diverse Mal Kettcar gesehen habe, fiehl die Entscheidung auf I Am Kloot. Leider im Zelt. Naja, für gute Musik muss man leiden, aber hier hat es sich wirklich gelohnt. Wenn ihr die Chance habt, ihn mal live zu sehen, überlegt nicht lange, sondern geht hin. Eine fantastisch rauchige Stimme mit dem britischen Akzent und klasse Gitarrenmusik, die durch ihre Langsamkeit und schon fast epische Tiefe mitreißt. Gänsehautfeeling.
Von Kettcar haben wir den Schluss noch mitbekommen und das Programm ist immernoch das Gleiche, wie bei den Auftritten davon. Never change a runnig system oder so, und warum auch, die Show ist einfach nur toll.
Da unsere eine Mitreisende im Fanclub der Sportfreunde Stiller ist, hatte sie einen Termin Backstage mit der Band und stand dann auch beim Konzert in der ersten Reihe. Ich selbst habe mich ein bisschen zurück gehalten und mich eher Richtung Moshpit orientiert, denn das hat das ganze Festival über gefehlt. Aber bei den Sportis gibt es da ja quasi eine Garantie. So wirklich songsicher war ich zwar nicht mehr, da ich irgendwann keine Alben mehr von ihnen gekauft habe und die neuen Sachen entsprechend nicht kenne, aber da auch sehr viele ältere Stücke dabei waren, war es trotzdem ein krönender Abschluss.
Das ganze Wochenende waren vielleicht 2000 bis 3000 Leute anwesend, wie ich schätzen würde. Aber trotzdem war es eine super Stimmung und wahnsinnig friedlich. Sogar das Rahmenprogramm mit Lagerfeuer und dem Burning Man hatte einiges zu bieten. Ich hoffe, dass diese Festival nicht auch so riesig wird, sondern seinen ganze eigenen Charme behält, ich würde wiederkommen, wenn es mich zu der Zeit mal wieder nach München verschlagen sollte.
Cooler Bericht! Obwohl das eigentlich nicht soo meine Musik ist, wäre ich jetzt schon irgendwie gerne dabei gewesen…
Grüße,
Louis