100 Jahre Proteinvorrat

Über unseren Verteiler ging heute eine Mail, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

Lieber X,
im Freezer warten 800 g SenP2 gut exprimierende Biomasse auf Dich.
Wenn man bedenkt, dass 5 g Zellen bei der Aktivität vmtl den Jahresbedarf eines Instituts decken, kannst Du jetzt mindestens 100 Jahre spalten…

Beste Grüsse

SenP2 ist eine Protease, die spezifisch für SUMO ist. SUMO wiederum wird von der Zelle an viele Proteine des Zellzyklus geheftet um sie partiell zu inaktivieren. Um diese Inaktivierung wieder aufzuheben, spaltet SenP2 SUMO wieder von den Zielproteinen ab.
Allerdings ist das nicht die Anwendung, die wir für SenP2 bei uns haben. Das Schöne an dieser Protease ist ihre Sustratspezifität, die nur auf SUMO zutrifft (ok, es gibt noch mindestens 3 mir bekannte SUMO-Varianten, aber so allgemein). Fusioniert man nun auf DNA-Ebene (Transkriptionsfusion) irgendein beliebiges Protein mit SUMO und einem sogenannten Tag, um das Protein aus einem Zelllysat zu reinigen, kann man den Tag sehr einfach wieder abspalten. Im einzelnen sieht das so aus, dass man z.B. so ein Konstrukt hat: HisTag-SUMO-Protein, was von den Zellen exprimiert wird. Nachdem man die Zellen zerstört/lysiert hat, versetzt man diese Suppe mit Beads, die einen Antikörper oder im Fall von His einen Ionenaustauscher tragen. Das Konstrukt wird daran spezifisch gebunden, so dass man die übrigen Sachen einfach durch einen Filter waschen kann, den die Beads nicht passieren können. Um nun das Zielprotein wieder von den Beads abzubekommen muss man es auf irgendeine Weise eluieren. Bei His würde das durch Zugabe von Hochsalz ganz gut gehen (was aber nicht allen Proteinen so gut tut), bei anderen Tags aber eben leider nicht. Und hier kommt SenP2 ins Spiel, denn diese erkennt jetzt das SUMO, trotz dass es so “eingebaut” ist und spaltet es vom Protein ab. Da aber SUMO noch mit dem Tag verbunden ist, bleibt es an den Beads hängen und nur das Zielprotein fällt ab. Mit einem weiteren Waschschritt hat man dann sein gewünschtes Protein in reiner Form.
Ein Problem ist es jetzt natürlich SenP2 überhaupt erst einmal zu bekommen, aber wie das geht erspare ich euch mal, denn das ist wiederum ein Riesenakt, der locker eine ganze Arbeitswoche in Anspruch nehmen kann. Und wir haben nun also im Freezer 800 g Zellmasse, die uns SenP2 exprimieren können und zwar in sehr hohen Ausbeuten. Wer weiß, wofür man das mal brauchen kann…

Der Beitrag wurde am Donnerstag, den 17. Juli 2008 um 19:43 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, ScienceBlog abgelegt. Folgende Tags wurden dabei verwendet , , , . Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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