Julias CD-Projekt 2008: Peilomat - Großstadtkinder

Nanu? Hatte ich nicht angekündigt, dass ich demnächst über The Wombats mit The Wombats Proudly Present: A Guide to Love, Loss & Desperation schreiben wollte? Soweit, so richtig, nur dass ich grade keine Lust auf Indie habe, weshalb der Plan geändert wurde und es mal wieder eine CD aus der Deutschrockabteilung gibt. Aber keine Sorge, auch die australischen Beuteltiere werde ich noch abhandeln.

Schon vor dem Bundesvision Songcontest, den ein bekannter Moderator einmal im Jahr als Gegenveranstaltung zum Eurovision Songcontest veranstaltet, war mir Peilomat vom Namen her bekannt. So wirklich Aufmerksamkeit haben sie bei mir aber erst im direkten Vorfeld der Show erregt, denn ihre Musik ist eingängig und die Texte sind intelligent-ironisch. So wirklich gut haben sie ja dann nicht abgeschnitten, aber das war auch nicht zu erwarten, dafür sind sie einfach zu viel Nieschenprodukt.
Trotzdem hat mich das alles dazu bewegt das Album Großstadtkinder zu kaufen und mal genauer hinzuhören. Die drei Bandmiltglieder stammen alle samt aus der Nähe von Hamburg und machen seit 2004 zusammen Musik. Den Durchbruch haben sie leider nicht geschafft, aber wer die Szene kennt, weiß dass Deutschrock aus dem Norden der Republik immer sehr hörenswert ist.
Die Hülle ist rockig-flippig gestaltet, was sich auch im Booklet und der CD fortsetzt. Mal was anderes, aber ich will nicht mehr lange reden, lassen wir die Töne sprechen. [Titel Laufzeit (Wertung)]

  1. Sie Liebt Dich 3:35 (4/5)
    Das Album startet rockig, der Gesang setzt erst später dazu ein. Es geht ums Nerd-sein, die Internetpornomentalität und wahre Liebe. Schon hier hört man die stimmlichen Qualitäten des Sängers, die ganz eindeutig im Vordergrund stehen. Die Instrumente rücken eher in den Hintergrund, aber als Einstand ein sehr schönes Lied.
  2. Klassentreffen 4:26 (3/5)
    Hier beginnt das Schlagzeug mit einem Solo, bevor dann die Gitarre dazu kommt. Das zieht sich noch ein bisschen so hin, stört aber nicht weiter, denn der Song ist allgemein ein bisschen langsamer, aber damit nicht ruhiger, als der erste. Die Stimme des Sängers ist einfach fantastisch, aber auch die anderen beiden stehen ihm unterstützend zur Seite. Ein gutes Zusammenwirken. Im letzten Drittel folgt nochmal ein sehr langes Instumentensolo und dann ist schon bald aus.
  3. Happy End 3:21 (4/5)
    Diesmal setzt zuerst der Gesang ein und beginnt schon sehr schnell. Die Instrumente nehmen das Tempo auf, allerdings bleibt das nicht so, was der Hörbarkeit des Songs aber keinen Abbruch tut. Der Text ist sehr nachdenklich, was man aber eigentlich erst am Ende so wirklich raushört. Doch kein Happy End?
  4. Jenny 4:09 (3.5/5)
    Der Song, mit dem sie beim oben angesprochenen Songcontest angetreten sind.
    Er beginnt eher poppig, was im Zusammenhang mit dem Text aber als ironische Anspielung auf sämtliche Castingsshows zu sehen ist, die ja auch eher solchen Kram hervorbringen. Ein bisschen rockiger wird’s noch und der Text lässt keine Missverständnisse über die Meinung der Band zum Castingschrott aufkommen. Textlich somit wirklich klasse, musikalisch eher Mittelmaß.
  5. Großstadtkinder 3:35 (5/5)
    Der namensgebende Song des Albums und bis hier her ganz klar das Highlight. Herrlicher Rock und sozialkritischer Text, den man erst im zweiten Anlauf so wirklich erkennen kann. Die Stimme ist hier nicht ganz so deutlich, die schlagzeuglastige Untermalung drängt sich ganz gerne mal in der Vordergrund, verleiht dem Song damit aber einen ganz eigenen Stil.
  6. Fick Dich 4:24 (4/5)
    Hehe, mal ein ganz anderer Anfang. Das Instrument vermag ich nicht zu identifizieren, aber es hört sich gut an. Nach dem rockig-schnellen letzten Stück, geht es hier musikalisch ruhiger, vom Text her aber dafür umso deutlicher zu. Wer hat seiner Ex nicht schon mal den Teufel und die Pest an den Hals gewünscht? So schön hat es aber wahrscheinlich noch nie jemand getan.
  7. Superheld 3:50 (2/5)
    Auch als Singleauskopplung erhältlich und musikalisch wohl irgendwie den Trend des letzten Titels fortsetzend. Sehr ruhig, kein Schlagzeug (oder nur ganz wenig im aller letzten Hintergrund), allein Gesang und Gitarre. Ja schon fast in Richtung Ballade, denn der Text macht, verglichen mit dem letzten Song, eine 180°-Wende. Im Ganzen gibt es aber bessere Songs auf dem Album.
  8. Alles Wird Gut 3:41 (2.5/5)
    So sehr man sich es auch wünscht, es wird eben nicht alles gut. Sowohl im wahren Leben, als auch musikalisch im Song. Zwar wieder wesentlich rockiger als das letzte Stück und auch vom Text nicht so eine Weichspülnummer, aber trotzdem zu langsam. Man erwartet mehr, mitterweile nervt diese ruhige Art ein bisschen.
  9. Monster 4:18 (3.5/5)
    Japp, so sollte es sein. Am Anfang ein Kinderchor, der fast sofort von harten Schlagzeugklängen unterbrochen wird. Leider bleibt das nicht so, denn nun folgen Anleihen aus dem Reggae im 4/4 Takt, was aber irgendwie doch passt. Der Refrain haut hingegen wieder so richtig rein und so wechselt sich das alles immer wieder ab. Sehr interessant diese Mischung, was den ein bisschen schwachen Text ausgleicht. Der Kinderchor kommt auch nochmal zum Einsatz und auch das passt gut dazu.
  10. Brüder 3:49 (3/5)
    Hört sich ein wenig an wie der erste Song, ist zwar langsamer, aber fast genauso rockig. Auch Geschwindkeitswechsel werden hier mal eingebaut, das hatte man bisher eher weniger. Im Grunde solider Rock, der nur noch ein bisschen mehr Speed vertragen könnte, was aber auch dem Text geschuldet sein könnte, denn über eine brüderliche Freundschaft lässt es sich nicht so schön singen.
  11. Lotta 4:48 (4/5)
    Ein schönes Gitarren/Schlagzeug-Duo am Anfang, das Lust auf mehr macht. Der Gesang stimmt gut darin ein, ist auch nicht so hoch wie in den letzten Songs, sondern ein bisschen rauchiger, was viel besser zur Musik passt als man denken würde. Worauf der Text eigentlich hinaus will, wird nicht gleich klar, aber man kann sich sehr traurige Sachen darunter vorstellen.
  12. Testbild 3:06 (5/5)
    So ein Testbild kennt die heutige Jugend (und da zähle ich mich einfach mal dazu) ja gar nicht mehr. Kein Fernsehprogramm, das rund um die Uhr läuft? Nicht mehr vorstellbar.
    Der Song ist aber nicht veraltet, wie das Testbild, sondern flott und richtig guter Gitarrenrock. Der Text rechnet mit der Fernsehgesellschaft von heute ab, die sich wirklich jeden Scheiß ansieht. Zwischendrin Zitate, die locker aus der “Supernanny” stammen könnten, einfach nur Klasse.
  13. Killer 3:42 (4/5)
    Die SMS-Empfangstöne am Anfang beziehen sich auf den Text, also sollte man sich nicht wundern. Im weiteren Verlauf ist das aber auch egal und so wirklich schlau wird man daraus nicht. Gegen Ende dreht sich dann aber alles um und es kommt das AhA-Erlebnis.
    Ansonsten eher klassisch-rockig gehalten, der Gesang ist damit auch nicht so sanft, sondern haut genauso rein, wie die Jungs in ihre Gitarren und Schlagzeuge.
  14. Das Ende 4:23 (4/5)
    Passender kann man ein Albumende nicht betiteln, denn das ist acuh schon das letzte Stück. Nochmal ein bisschen ruhiger, aber trotzdem sehr gut, ganz ähnlich dem ersten Stück, womit auch die Brücke über das Album geschlagen ist.

Junger deutscher Rock, der vielleicht mal wieder ein bisschen Bewegung in die Musiklandschaft bringen kann. Ich würde jetzt nicht direkt eine Anhörpflicht aussprechen, denn man muss die Musik schon mögen. Aber für das erste Album eine wirklich hörenswerte Leistung.

Und wer nun mal selbst reinhören möchte, dem seien folgende Links ans Herz gelegt:
Bandseite (mit dem ganzen Album als Hörproben)
MySpace (5 Songs + eine Specialversion der AC Mailand Hymne)
Last.fm (4 Songs in voller Länge)

Der Beitrag wurde am Samstag, den 5. Juli 2008 um 21:49 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. Folgende Tags wurden dabei verwendet , , , . Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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