Der ultimative Southsideguide und mein Kampf mit der schwäbischen Pampa

Da bin ich nun relativ wohlbehalten zurpck gekommen und eigentlich brauch ich nur zu sagen: Es war verdammt geil! Ich habe zwar gefühlte 100 blaue Flecke (von den Pits), einen schmerzenden Rücken (da hilft auch die beste Isomatte nichts) und halbseitigen Sonnenbrand (weil die blöde Sonne immer nur von rechts gekommen ist), aber für das Wochenende hat sich das gelohnt. Aber der Reihe nach (Achtung Überlänge).

Wie geplant bin ich am Donnerstag gegen 13 Uhr losgefahren, musste aber noch einkaufen, was sich dank einem Billigmarkt mit A als recht einfach erwiesen hat. Nicht mal 20 € für ein ganzes Wochenende inklusive Bier und dann fragt mich die Dame an der Kasse, ob ich mit Karte zahlen will. Ich hatte meine Karte nichtmal dabei. Bei 20 €…
Bis Memmingen kommt man dank der A96 recht schnell, aber dann beginnt erst die eigentlich Tour. Bundesstraßen, die nicht besser und breiter sind als mit Teer überzogene Feldwege, Beschilderungen, die mehr als mangelhaft zu nennen sind (besonders wenn man keine Karte dabei hat, sondern nur einen kleinen Ausschnitt von google.maps), und Ortsnamen, die sich alle gleich anhören (Riedlingen, Reutlingen, Eschingen, Ertingen…). Dementsprechend hat ich mich auf dem Hinweg auch dreimal mehr oder weniger verfahren. Nie dramatisch, so dass ich wenden müsste, aber ein Umweg war es ganz sicher.
Erstaunlicherweise war ich dann trotzdem schon halb 5 da und somit fast einer der ersten, denn ich konnte recht nahe am Eingang parken, was mit viel Gepäck wirklich toll ist. Dreimal laufen? Kein Problem, weil es eben keine 5 km wie bei RiP im letzten Jahr waren. Die Koordination mit den anderen Leuten, die ich treffen wollte, war ein bisschen komplizierter, da dort mitten im Nichts das Handynetz gnadellos überlastet war. Kein Wunder, wenn 40.000 Leute versuchen, sich gegenseitig zu erreichen, an einem Ort, wo es wahrscheinlich sonst im Umkreis nichtmal halbsoviele Menschen gibt. Deswegen war mein Handyakku dann auch schon am Freitag leer, was dafür gesorgt hat, dass ich euch leider keine Bilder zeigen kann.
Letztendlich gefunden haben wir uns dann gegen 7, also mehr als zweieinhalb Stunden, nachdem ich angekommen war. Dafür hatten sie dann schon einen schönen Platz ausgesucht, wo ich einfach nur noch mein Zelt dazustellen musste. Irgendwo mittendrin, 500 m zu den nächsten Duschen und genauso weit zum Festivalgelände. Letztendlich waren wir so um 12 Leute (die genaue Zahl lies sich eigentlich nie bestimmen, da ständig andere Leute mit dabei waren…). Der erste Abend ging dann recht schnell rum, mit kennenlernen, Bier trinken und feiern, als die Sonne aufging, sind wir ins Zelt gefallen.

Freitag gingen die Konzerte erst am Abend los, so dass man den Mittag/Nachmittag noch irgendwie rum bringen musste, mehr Bier wurde also getrunken. Kurz vor 17 Uhr bin ich dann rein um mir Die Mannequin anzusehen, eine kanadische Hardcore-Punkband. Zwei Männer und eine Frontfrau, die sowas von abging, unglaublich. Die kam schon mit blauen Knien auf die Bühne, danach waren sie quasi rot. Musikalisch mindestens genauso beeindrunkend.
Anschließend zur Zeltbühne (ja, die war in einem großen Zelt untergebracht, was am ersten Tag noch ganz ok war, spätestens Samstagnachmittag aber gefühlte 50°C hatte) um British Sea Power zu sehen. Live fand ich sie besser, als das Album, womöglich, da die Violine nicht so deutlich zu hören war, wodurch es wesenlich rockiger klang. Die Show selbst war weniger beeindruckend, sondern eher straff durchgespielt. Was aber auch nötig war, da die gleich mal 15 min zu spät angefangen haben, weil sie ewige Zeiten mit dem Sound nicht zufrieden waren. Die Briten… aber dafür war die Deko recht nett, denn alle Lautsprecher waren mit Flaggen abgehängt, so dass es schön bunt auf der Bühne war. Zum Schluss gab es dann sogar noch ein bisschen Action, als der Bassist auf einen Zeltmast geklettert ist und alle dachten er springt ins Publikum, was er dann aber doch nicht gemacht hat, sondern einfach so eine Runde im Crowd gesurft ist. Das hat mich dann doch noch ein bisschen versöhnlich gestimmt. Übrigens stand ich ganz vorne an der Bühne.
Danach ging es gemütlich zu den Donots, Punkrock aus Deutschland ist definitv nicht tot. Der Sänger hat ein bisschen viel gelabert und die Songs waren alle nicht ganz so bekannt, aber trotzdem eine Klasse Show.
Ich stand schon relativ weit vorne, aber beim Umbau zu Flogging Molly bin ich dann nach fast ganz vorne gekommen. Diese Band war mein persönliches Heightlight am ersten Tag. Es war völlig egal, wo man gestanden hat, die komplette Menge hat gepoged. Keine Chance sich da zu entziehen. Leider bin ich deswegen auch nicht vorne geblieben, sondern immer mehr in Richtung Mitte abgedriftet, aber es war trotzdem ein wahnsinnig geiles Konzert.
Danach war ich schonmal sowas von fertig, dass ich eigentlich dachte, wenn das weiter so geht, überlebe ich nicht bis Sonntag, aber nach einer Pause von 90 min, die zum Essen genutzt habe, ging es mir schon wieder besser. Nachts gings dann nochmal ins große Zelt zu Nada Surf, aber davon waren alle nicht so begeistert, denn die Show war langweilig und die Musik für die Uhrzeit zu ruhig. Radiotauglicher Softrock oder so. Ich bin ehrlich fast im Stehen eingeschlafen. Zurück am Zelt war auch nicht mehr soviel los, so dass es schon relativ zeitig ins Bett ging.

Länger als 11 Uhr konnte man nicht mehr im Zelt liegen bleiben, da es dann einfach so heiß geworden ist, was aber nicht weiter gestört hat, denn draußen schläft es sich auch ganz gut. Letztendlich bin ich Samstag gegen 15 Uhr zu Enter Shikari zur großen Bühne gegangen. Die Jungs hatte ich ja schon im letzten Jahr bei RiP gesehen und war ganz angetan, aber dieses Jahr haben sie sich nochmal gesteigert. Da spürt man die Energie, die die von der Bühne strahlen bis in die hintersten Reihen. So sehr viel los war allerdings nicht, dafür waren sie wohl zu unbekannt oder der Elektro-Metal-Stil nicht massentauglich genug.
Gleich im Anschluss haben Kettcar gespielt und weil ich eben schon vorher da war, hab ich mich bis vor die Bühne gestellt, bevor alle anderen kamen. Das war dann mein drittes Konzert, aber so weit vorne stand ich bisher noch nicht. Die Songauswahl war zwar die gleiche, wie auf dem Konzert vor einigen Wochen hier in München, aber davon werden die Stücke ja nicht schlechter. Ich glaube, die Band kann ich mir noch einige Male ansehen, und es wird immernoch nicht langweilig. Es ist einfach toll, wenn man fast jeden Song komplett mitsingen kann.
Tocotronic habe ich mir nicht angesehen, auch wenn das einige Leute sicherlich nicht verstehen können, aber ich mag die einfach nicht.
Am Abend hab ich mir die alten Herren von NoFX angesehen, sicherlich schon sowas wie Legenden des Punk. Die Bühnendeko war einmalig, denn sie bestand aus einem gelben A2 Zettel, wo NoFX drauf stand. Der Sänger und der mexikanische Gittarrist haben die ganze Zeit über sich und ihre Mütter, sowie das Publinkum beleidigt, aber das war teilweise zum brüllen komisch. Die Musik ging dadurch ein bisschen unter, aber so eine Comedyshow bekommt man auch nicht immer geboten. Parallel haben Deichkind gespielt, die ich mir sicherlich auch gesehen hätte, wenn nichts besseres gekommen wäre, aber allgemein sind die mir zu gehyped. Man kann keinen Rock durch HipHop vermitteln.
Nach dem Punk von NoFX haben die Beatsteaks gespielt und waren der absolute Topact des Festivals. Großartige Show, super Musik, klasse Interaktion mit dem Publikum und alles recht spontan. Schon letztes Jahr im Park fand ich sie gut, aber dieses Mal noch besser. Wenn ihr irgendwie mal die Möglichkeit habt auf ein Konzert von ihnen zu gehen, dann tut das, ihr werdet es auf keinen Fall bereuen.
The Chemical Brothers habe ich im Vorbeigehen gehört (und ein bisschen gesehen). Musikalisch nicht mein Ding, wie ich vorher schon wusste, aber die Videoshow war beeindruckend. Wer’s mag, hat daran sicherlich richtig viel Freude. Zurück in unserem “Wohnzimmer”, gab’s dann noch Bier und Diskussionen über die Auftritte des Tages.

Auch der Sonntag war bullig heiß mit mehr als 30°C in der Luft. Auf dem Platz wahrscheinlich noch wesentlich mehr, denn meine Schuhe waren so heiß, dass ich es bis auf die Füße gespürt habe. Mein Zelt hab ich dann vormittags schon abgebaut und im Auto verstaut, so dass ich Abends nur noch einsteigen und losfahren muss. Eine Nacht länger hätte ich wahrscheinlich wirklich nicht überlebt und außerdem hätte man bis 10 Uhr am Montag eh weg sein sollen, das wäre noch richtig stressig geworden.
Eigentlich wollte ich dann halb zwei mit The Enemy anfangen, bin aber erst mit den anderen gegangen als sie zu The (international) Noise Conspiracy sind, ich aber Richtung The Wombats abgebogen bin. Bisher war mir die Band nur vom Namen bekannt und allzuviel war auch nicht los, aber sie sind durchaus hörenswert. Ich denke, ich werde mir mal das Album bestellen und anschließend eine CD-Kritik schreiben, die Jungs könnten noch ganz groß rauskommen. Schöner Indierock aus Liverpool, mit viel Gitarre, aber teilweise auch harten Riffs und intelligenten Texten. Nicht zu verachten sind auch die Fan-Shirts mit “I am a Wombat” drauf. Cooler Spruch.
Weil ich von der Bnd so begeistert war, hab ich leider den Anfang von MillenColin verpasst, aber der Rest war nicht ganz so beeindruckend. Recht straff gespielt ohne viele Stories dazwischen, was die Musik zwar nicht schlechter macht, die Show aber auch nicht so unterhaltsam.
Letztendlich hab ich aber eh nur auf Rise Against gewartet, die direkt danach gespielt haben. Ich denke, alles was ich jetzt sage, ist übertrieben, da die Band für mich einfach der Hammer ist. Gleich der Einstieg war spitze und es ging wahnsinnig ab im Publikum. Irgendwnn haben sie alle aufgefordert, den Ösis Konkurrenz zu machen, indem mehr als sieben Circlepits gleichzeitig entstehen. Insgesamt neun wurden dann gebildet, es war also quasi egal, wo man stand, es ging im wahrsten Sinne des Wortes rund. Im Mittelteil ist die Show ein bisschen langsamer geworden, dafür ging es am Ende nochmal richtig zur Sache. Bei letzten Song kam dann sogar der Sänger von Billy Talent auf die Bühne und hat mitgesungenkreischt.
Die Pause, die ich mir dann gegönnt habe, war zwar nicht eingeplant, aber sehr entspannend. Eigentlich wollte ich Madsen in der Menge miterleben, aber die Leinwand hat mir auch gereicht. Live sind sie nochmal wesentlich besser, als auf dem Album. Es kommt viel mehr Bass rüber und auch die Stimme des Sängers ist angenehmer. Während er sich auf dem Album manchmal schon schwer bemüht anhört, den Ton zu halten, ist das live gar kein Problem. Der nächste Termin hier in der Nähe ist am 2. August in Freising beim Prima Leben und Stereo 2008, mal sehen ob ich da für Samstag ein Tagesticket bekommen kann. Ansonsten kosten die beiden Tage auch nur 17 € ohne Camping, das ist durchaus eine Überlegung wert.
Zurück zum Southside: Nach den Deutschrockern kamen Panic At The Disco, die ich von den Albem her zwar ganz gerne mag, besonders das neue ist wirklich gut, aber die ich mir live nicht nochmal ansehen würde. Zu viele alte Songs, die doch sehr in Richtung Emo gehen und dem ganzen einen extrem langweiligen Anstrich verpassen.
Zum Abschluss gab es dann noch Maxïmo Park, die zwar auch nicht so ganz meine Musik sind, mich aber trotzdem überzeugt haben. Die Bühnendeko war außergewöhnlich, mit sechs schmalen Leinwänden im Hintergund, die perfekt auf die Musik abgestimmte Videos/Figuren/whatever zeigten. Sowas kennt man sonst eher nicht im Rockgenre. Ein paar bekannte Stücke waren natürlich auch dabei, so dass ich nicht ganz ahnunglos dastand. Wenn man sich mehr dafür begeistern kann, sind die live auch eine ganz klare Empfehlung wert.
Die Foo Fighters habe ich mir dann gespart, da die mir zu gepushed sind. Außerdem wollten die erst um 23 Uhr anfangen, so dass ich noch eine ganze Stunde hätte waren müssen, da bin ich lieber schon gefahren, bevor alle anderen dann auch auf die Idee kommen.
Alle Bands konnte ich mir ja leider nicht ansehen (oder habe sie aus anderen Gründen verpasst), was mich ein bisschen ärgert, als da wären Sigur Ròs, Jan Delay, Does It Offend You, Yeah?, The Enemy, The Subways, Blackmail, Kaiser Chiefs und Billy Talent. Wie ihr seht, besteht da also noch ein bisschen Nachholbedarf. Einige spielen Mitte August auch noch auf dem Hightfield-Festival und ich bin echt am überlegen, ob ich da noch hin soll. Zumal das ja auch ganz in der Nähe von meinen Eltern ist. Mal sehen, was die Zeit sagt.
Die Rückfahrt gestaltete sich ähnlich wie die Hinfahrt, auch wenn der Weg zur Autobahn ein bisschen direkter war. Die Beschilderung ist trotzdem schlecht, denn es war nicht ein Hinweis auf die Autobahn zu finden, an den ich mich hätte halten können. Erst einen Ort vor der Auffahrt, stand da mal ein kleines Schild, dann hatte ich den Weg nun aber auch schon gefunden. Unterwegs bin ich noch in eine allgemeine Verkehrskontrolle gekommen, wo wirklich jedes Fahrzeug angehalten wurde.
“Wo kommen’sch denn her? Vom Saufscheid Feschtival?”
“Japp.”
“Haben’sch Alkohol getrunken oder andere Drogen konschumiert?”
“Nein, den ganzen Tag nicht.”
“Machen’sch mal bitte die Augen zu … und nun wieder auf bitteschö.”
(blend mit Taschenlampe mitten in mein Auge)
“Ok, fahren’sch weiter.”

Ich musste mir ja echt das Lachen verkneifen bei dem Dialekt. Ansich mag ich Schwäbisch ja sehr gerne, da eine sehr gute Freunde von dort kommen, aber so krass reden die (mittlerweile) auch nicht mehr. Gegen zwei Uhr war ich dann endlich wieder hier und nach einer Schnelldusche bin ich ins Bett gefallen. Die ausführliche Reinigung gab es dann vorhin und nun fehlen nur noch zwei Waschmaschinen Wäsche, dann bin ich wieder zivilisationstauglich. Der Sonnenbrand wird auch wieder vergehen, genauso wie die ganzen blauen Flecke, aber die Erinnerung an dieses wunderbare Wochenende wird bleiben. Abschließend kann ich nur sagen: Lieber Southside, als Rock im Park. Es ist alles viel chilliger, die Leute kommen nicht nur hin um sich abzuschießen und mal die Sau raus zu lassen, sondern wirklich wegen der Musik und auch so hatte ich den Eindruck, als wäre es ein bisschen besser organisiert gewesen. Den Unterschied zwischen 70.000 und 40.000 Leuten merkt man auf den Konzerten dann auch nicht mehr. Wenn sich die Gelegenheit bietet: Nächstes Jahr wieder. Den Weg kenne ich ja jetzt…

Der Beitrag wurde am Montag, den 23. Juni 2008 um 14:52 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Me, Montag abgelegt. Folgende Tags wurden dabei verwendet , , . Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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