RNase free

Die letzten beiden Tage waren sehr entspannt, was die Arbeit anging. Trotz Feiertag war ich gestern im Lab um meine Bakterien zu versorgen, bzw. um sie zu “ernten” und mein Plasmid zu isolieren. Nicht das, was ich neulich angesprochen hab, sondern ein anderes und auch das wird nicht mein Letztes sein… Am Morgen war der Chef noch nicht da und als eine Kollegin reinkam, waren ihre ersten Worte “Och, das ist ja gemütlich bei euch, ist der Chef noch nicht da?” Wir hatten ein bisschen Musik an, die Fenster auf, um mal ordentlich zu lüften und es roch ganz leicht nach Kaffee. Mittags gab es dann Essen von Chinesen, denn die Mensa hatte ja auch nicht auf. Aber natürlich hab ich auch gearbeitet, fünfzig Minipreps standen an. Ich werde das nicht weiter ausführen, aber man kann als Zeitaufwand für eine Prep rund 5 min rechnen, also hab ich den halben Tag nur geprept. Fünfzig mal der gleiche Arbeitsgang wird auf Dauer auch langweilig. Aber naja, was muss das muss, um so enttäuschender war, dass die eine Versuchsreihe nicht so funktioniert hat, wie erwartet. Ein positives Ergebnis aus 21 Ansätzen, was heißt, dass ich nächste Woche nochmal ran muss. Ich brauch unbedingt das Plasmid, sonst kann ich nicht weiterarbeiten.
Nebenbei hab ich dann noch mRNA synthetisiert, was wir in der Uni auch nie gemacht haben. Das Problem sind halt RNasen, also Enzyme, die RNA zerlegen. Die sind überall: auf der Haut, im Wasser, an den Pipetten, in der Luft… am Besten sollte man die Proben also schwebend bewegen, bloß nicht reinpusten, nix zugeben, ja nichtmal ansehen. RNase free nennt sich das dann. Dass das aber nicht so ganz möglich ist, stellt ein recht großes Problem dar, da die RNasen auch verdammt widerstandsfähig sind. Es gibt welche, die auch nach einer Behandlung bei 70°C noch aktiv sind, weswegen eigentlich niemand mRNA herstellen will. Das erste Mal geht außerdem immer schief, wie mir gesagt wurde (bisher hat das bei keinem in unserem Lab auf Anhieb geklappt), aber irgendwann hat man den Trick schon raus. Naja, ich hab sie dann alle einfach mal ein bisschen überrascht und das Zeug nach besten Gewissen so gemacht, wie die Vorschrift lautet, und siehe da: Geht doch. Wer weiß, was die alle gemacht haben. Auf jeden Fall bringt mich das ein ganzes Stück weiter, da ich so am Montag gleich weitermachen kann und wenn das dann auch noch funktioniert, hab ich meine ersten Ergebnisse. Auf jeden Fall konnte ich somit heute ein bisschen eher gehen und war keine 10 h im Labor. Aber immerhin war ich ja auch gestern schon, obwohl ich frei war.
Für morgen hab ich geplant Abends wegzugehen, wahrscheinlich ins Backstage. Verschiedener Rock auf drei Floors, das hört sich schonmal ganz gut an, aber der Eintritt ist schon happig…

Der Beitrag wurde am Freitag, den 23. Mai 2008 um 19:44 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Me, München abgelegt. Folgende Tags wurden dabei verwendet , , , , . Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

2 Reaktionen zu “RNase free”

  1. juliaL49 sagt:

    Ach immer diese Feiertage! Völlig überflüssig :grin:

    Glückwunsch zu deiner RNase-freien Arbeitsweise :mrgreen: Du hast wahrscheinlich an dem einen Feiertag mehr Versuche gemacht, als ich während des gesamten Studiums… (wir hatten nur 3 Praktika)

  2. caesar sagt:

    So mitten in der Woche sind Feiertage wirklich sehr ungünstig. Wenn ich Montag einen Versuch plane, dann kann ich nicht Mittwoch schon damit fertig sein. Das braucht alles seine Zeit.
    Ich wollte dich eh schonmal fragen, ob du während deines Studiums auch Praktika in die biologisch/biochemische Richtung machen musstest. So wirklich was damit zu tun hat es ja nur am Rande, aber sicherlich kann es nicht schaden auch da mal einen Einblick zu bekommen.