Berliner Nächte

Erschöpft kämpfe ich mich durch die rauchgeschwängerte Luft, mit dem Verbot scheint man es in Berlin nicht so genau zu nehmen. Der Club ist klein, voll und warm. Das kalte Bier in meinen Händen verspricht ein wenig Erfrischung. Ich weiß nicht, wieviele ich heute schon getrunken hab, so sehr viel teurer als anderswo ist es hier auch nicht. Ich bin ein bisschen überrascht, aber eigentlich ist es mir ganz recht.
Irgendwo hier muss sie sein. Oder zumindest war sie hier, als ich gegangen bin um das neue Bier zu besorgen. Eigentlich ist schon jetzt alles klar, ich werde heute mit ihr nach Hause fahren, den ganzen Abend hängen wir schon zusammen. Und woanders kann ich eh nicht hin in dieser fremden Stadt. Dort, drei Meter weiter steht sie und lächelt mich an. Der erste Schluck Bier gehört ihr, denn warum sollte ich zwei Flaschen holen, wenn teilen doch so glücklich machen kann.
Die Musik ist nicht sonderlich laut, wenn man wollte könnte man sich einfach unterhalten ohne sich gegenseitig ins Ohr brüllen zu müssen. Man muss sich nichtmal sonderlich nahe kommen, um sich zu verstehen. Bei ihr ist es anders. Jedes Wort haucht sie mehr in mein Ohr, als dass sie es sagt. Sie reicht mir grade so bis übers Kinn und muss sich jedes Mal strecken, wenn sie mit mir redet. Ich komme ihr entgegen. Der Duft ihrer Haare steigt mir bei jedem Satz in den Kopf und vernebelt mich mindestens genauso sehr, wie es das Bier tut. Frauen riechen auch gut, wenn sie schwitzen. Ihr weiche Wange an der meinen, die Hand an meiner Schulter, mein Arm um ihre Hüfte. Hab ich schonmal erwähnt, dass ich kleinere Frauen mag? Wahrscheinlich, weil ich selbst nicht der Größte bin. Surreal, schießt es mir durch den Kopf.
Der Club wird leerer und auch wir entschließen uns zu gehen. Bis zu ihr müssen wir noch eine Stunde mit der S-Bahn fahren. Von mir aus könnten es auch drei sein, es würde keinen Unterschied machen. An ihrer Seite wird auch der unbequemste Sitz gemütlich. Die letzte Strecke laufen wir, um die Zeit fahren die Busse zu selten. Hand in Hand, so langsam wird es hell und die Vögel fangen an ihr Morgenlied zu zwitschern.
Mein Auto steht vor ihrem Haus.
Wenn sie es so sieht wie ich, wird sie mich verstehen, wissen wir beide, was wir tun sollten. Wir sind Freunde und diese Nähe ist nicht gut. Zwei Tage werde ich noch bei ihr verbringen, das würde sicherlich kompliziert werden. Zu kompliziert. Bevor sie schlafen geht, drücke ich ihr einen Kuss auf die Stirn.
Manchmal ist der Verzicht die wahre Befriedigung.

Der Beitrag wurde am Montag, den 7. April 2008 um 13:06 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein abgelegt. Folgende Tags wurden dabei verwendet , . Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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