Wahlkampf mit allen Mitteln
Sehr geehrter Herr Beckstein, liebe CSU,
Ich habe heute einen Brief von Ihnen erhalten, der mich sehr überrascht hat. Einerseits damit, dass ich ihn überhaupt erhalten habe und andererseits mit seinem Inhalt.
Ja, ich weiß wie wichtig ich bin, aber dass ich das erste mal die Zukunft meiner Stadt entscheiden kann ist falsch. Schon 2006 habe ich an den Wahlen zum Bürgermeisteramt und zum Stadtrat teilgenommen. Wenn Sie mich schon aussuchen einen solchen Brief zum empfangen, so sollte Ihnen das durchaus bekannt sein. Auch, dass Sie meine Partner für die Zukunft der Stadtpolitik sind, würde ich so nicht behaupten. Immerhin haben wir ein Mehrparteiensystem mit vielen Partnern. Und welchem ich dabei meine Stimme gebe, sollte doch bitte ich selbst entscheiden dürfen. Auch wenn wir jetzt schon die Kommunikationswege überwachen, so besteht im Gegensatz zur ehemaligen DDR wenigstens noch die Wahlfreiheit. Die weiteren Punkte, die in Ihrem Brief angesprochen werden sind mir viel zu allgemein formuliert. Wie wollten Sie das Kulturangebot Bayreuths für junge Leute verbessern und neue Freizeitmöglichkeiten schaffen sowie die Preise für Veranstaltungen gering halten? Woher wissen Sie überhaupt, was für Veranstaltungen ich gerne besuchen würde? Aber Insbesondere, wie kommen Sie auf die Idee, dass es wichtig für mich wäre nach meinem Studium in Bayreuth zu bleiben? Ich glaube kaum, dass Sie es irgendwie schaffen können ein für mich interessantes Unternehmen in Bayreuth anzusiedeln.
Zur Wahl werde ich in jeden Fall gehen, auch wenn Sie mir keine Briefe schicken würden. Ihre Nachforschungen sollten eigentlich soweit gekommen sein (wenn Sie schon behaupten über meine Veranstaltungsvorlieben Bescheid zu wissen), dass ich bisher an jeder Wahl teilgenommen habe. Allerdings bezweifle ich, dass ich Ihre Partei wählen werde. Und auch Ihr Brief hat daran nichts geändert, sondern mich nur in meiner Meinung gestärkt.Ich bitte darum in Zukunft von solcher Wahlwerbung abzusehen und verbleibe ohne freundliche Grüße.
In drei Wochen ist in BT Kummunalwahl und entsprechend hat der Wahlkampf schon begonnen. Plakate mit den Spitzenkandidaten hängen zwar noch nicht rum, aber das wird sicherlich auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Heute erreichte mich ein Brief von der CSU. Warum zum Teufel schreiben die Briefe? Ist das überhaupt erlaubt und nach welchen Kriterien werden die Empfänger ausgesucht? Meine Mädels haben keinen bekommen. Ich finde das schon reichlich seltsam…
Waren die Wahlen 2006 auch in Bayreuth oder woanders? Vielleicht bis Du bei denen irgendwie in die Kategorie Erstwähler gefallen.
Hm, sind deine Mädels denn mit Erstwohnsitz gemeldet? Haben sie eine Wahlbenachrichtigung bekommen?
Oder: Es wählen sowieso keine Frauen CSU mehr!
Was die Wahlwerbung überhaupt angeht: da gibt es wohl keine Grenzen. Wir hatten auch beim letzten Mal von allen Parteien was im Briefkasten.
Die Wahlen in Deutschland verkommen mittlerweile nur noch zu einem Medienspektakel, wo der gewinnt, der am besten aussieht, am besten schauspielern kann und viel Geld zu Verfügung hat…
@Renna
Die Wahlen waren in BT. Es gab damals sogar noch eine Stichwahl, da kein Kandidat für das Bürgermeisteramt im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit für sich verbuchen konnte.
@julia
Eine Wahlbenachrichtigung haben sie bekommen, da sie auch ihren Erstwohnsitz hier haben. Nur eben keinen Brief von der CSU. Eine Freundin von mir hat hingegen einen bekommen, was mich wieder zu der Frage führt, was die Auswahlkriterien sind?
An sich ist Wahlwerbung ja auch ok, wenn sie z.B. Zeitungen beiliegt, aber persönliche Briefe zu schreiben, halte ich für übertrieben. Das macht mir eine Partei eher unsympatisch, als dass es mich veranlassen würde sie zu wählen.
@lucas
Ja, es wird irgendwie immer USA-ähnlicher…