6 Tage, 5 Nächte und 4 Betten - Turin

Die letzte Station führte uns über Silvester und Neujahr nach Turin. Wie schon erwähnt, kam Ane doch erst am 31.12. in Turin an, so dass wir erst noch eine Nacht bei einer Freundin von ihr übernachten mussten. An sich war das auch kein Problem, nur dass wir uns halt vorher noch nicht gesehen hatten oder überhaupt kannten.

Als Treffpunkt war um 15 Uhr der Bahnhof ausgemacht, wobei wir auch hätten zu ihr laufen können, denn eine Adressen hatten wir. Laut Stadtplan sollte es auch nicht so weit sein, vll 10 min Fußweg. Nur leider sind die Turiner Straßen alle recht lang und die Häuser sehr groß, so dass aus den 10 min dann 30 geworden sind. Natürlich erst, nachdem wir uns gefunden hatten. Überhaupt scheinen grade alle größeren Bahnhöfe in Italien neu gebaut zu werden. Milano, Alessandria, Turin, andere Orte, durch die wir gefahren sind - überall Baustellen wodurch die Orientierung nicht grade einfacher wird. Gefunden haben wir uns trotzdem, denn zwei Typen mit großen Rucksäcken, die demonstrativ vor dem Bahnhofseingang rumstehen, übersieht man nicht so leicht. Also dann ab zu ihr, aber eben dreimal so weit, wie gedacht. Nach dem Abladen der Sachen wieder raus, weil wir noch Einkaufen mussten, denn als Dank wollten wir für sie kochen, aber im Rucksack lässt sich das eben eben alles nicht so leicht transportieren. Wenn jemand mitgerechnet hat, dann werdet ihr feststellen, dass ja eigentlich Sonntag gewesen sein müsste. Richtig, aber weil am 31. im Italien alles zu hat, hatten die Läden am 30. bis Abends auf, trotz Sonntag. Das kam uns natürlich ganz gelegen. Italienische Supermercati haben allerdings die seltsame Angewohnheit, dass sie nicht etwa billiger sind, so wie es meist bei uns der Fall ist, sondern dass sie eher teurer sind, da man dort ja alles auf einem Platz bekommt und nicht vom Bäcker zum Fleischer/Metzger rennen muss. Nunja, es gab zum Glück auch einen Supermarkt einer deutschen Kette, der auch dementsprechende Preise hatte. Nur dass der rund 4 km weg war und auch nicht mit der Bahn zu erreichen…Also mal wieder laufen. Der Hinweg ging ja noch, aber auf dem Rückweg mit Silvestereinkäufen und Kartoffelsäcken wurde er immer länger. Eigentlich wollten wir auch an dem Tag noch ein bisschen was von Turin sehen, aber das haben wir dann verschoben, da es nun doch schon recht spät war. Dritte Nacht, drittes Bett.
Am nächsten Tag, Silvester, ging es dann rein nach Turin. Zeit bis 18 Uhr war ja genug bis Anne endlich kam, so dass wir wahrscheinlich alles gesehen haben, was man in Turin überhaupt ansehen kann. Ein schönes nachgebautes mittelalterliches Dorf mit Festung, den Stadtpark, den Po (also den Fluss), der übrigens recht langsam fließt und nicht so schnell wie ich mir das vorgestellt habe, diverse Plätze, das Schloss, Kirchen und auch den Dom mit dem bekannten Turiner Grabtuch. Auch wenn es nicht das Original war, da dieses nur alle 7 oder 8 Jahre herausgeholt wird, sondern nur eine Reproduktion, so war es doch recht beeindruckend. Ich hätte nicht gedacht, dass man die Sachen wirklich so deutlich erkennen kann. Natürlich kann es auch sein, dass die Kontraste auf der Kopie noch verstärkt wurden, aber es war trotzdem richtig toll. Das Original liegt in einer Alubox verschlossen in einem Altar in einer kleinen Kapelle an der Seite des Doms. Man sieht zwar nichts, aber der Menschenabdrang war trotzdem recht groß. Eine weitere Kopie vom letzten Abendmahl von Da Vinci hängt auch im Dom, das konnte wir auch noch sehen. Außerdem wollten wir noch auf die Mole Antoniella, das Wahrzeichen Turins, allerdings waren dort so viele Leute in der Schlange, dass wir uns das gespart haben. Und an der Zeit war es auch schon, dass wir Anne treffen konnten, also zurück zu ihrer Fruednin, die Sachen packen und mit Anne treffen. Und bereut haben wir die Reise nicht. Es war genauso toll wie die letzten Male, als wir uns gesehen haben. Der Silverstabend verging wie im Flug und gegen 11 sind wir dann in die Stadt. Das großer Feuerwerk von der Stadt aus wurde allerdings abgesagt, da die Woche davor in einem der Autowerke um Turin sieben Arbeiter verbrannt sind, von denen der letzte am 31. verstorben ist. Und da man in Italien längst nicht so einfach viele Feuerwerkskörper bekommen kann wie bei uns, war entsprechend wenig los. Aber die Stimmung war toll und die Menschen sehr nett. Und da wir so spät zu Anne gekommen sind, war es mir grade egal, dass ich schon wieder in einem anderen Bett schlafen musste.
Der erste Tag im neuen Jahr (und der fünfte unsere Reise) war verständlicherweise ein bisschen müßiger, auch wenn ich nichts getrunken hab, ich bleib meiner Abstinenz weiterhin treu. Und wirklich Lust auf Alkohol und Rausch verspüre ich sowieso grade nicht, also brauch’ ich auch nichts trinken. In die Stadt sind wir trotzdem nochmal, bzw. ein bisschen weiter raus zur Villa della Regina wo die Damen der Fürsten gewohnt haben. Rein bzw. auf das Gelände sind wir zwar nicht gekommen, da dort grade gebaut wird, aber die UMgebung in der Hügeln, wo die Villa liegt ist traumhaft, so dass wir dort ein bisschen rumgelaufen sind. Abends dann nochmal auf den Monte dei Cappuccini, eine Kirche mit ehemaligem Kloster, um den beleuteten Blick über das nächtliche Turin zu genießen. Zurück bei Anne wollte ich dann eigentlich schon was hier im Blog schreiben, aber da sie selbst kein Internat haben sondern nur beim Nachbarn mit reingehen, reicht das W-LAN nur bis zum Toaster in der Küche, so dass es eher unbequem ist dort lange Texte zu verfassen. Daher gab es am 31. auch nur den schnellen Gruß in den Kommentaren.
Der zweite Januar war dann komplett ausgefüllt mit Zurückreisen. Von Turin nach Bergamo braucht man so ca. 3,5 h. Da unser Flug um 18 Uhr ging, mussten wir also schon 12 Uhr bei Anne weg. Umsteigen in Milano und Endstation in Bergamo. Vom Bahnhof dort zum Flughafen sind es ca. 3 km, die man eigentlich mit dem Bus fahren könnte. Eigentlich. Wenn man nämlich die Texte an den Fahrkartenautomaten nicht entziffern kann (trotz dass sie in Englisch waren) und der Busfahrer einen nicht versteht oder verstehen will, dann läuft man eben. Ich glaube, das machen nicht sos wirklich viele Leute. Also zum Flughafen zu Fuß, Zeit war noch ausreichend und was sollten auch ewig am Airport warten? Ein paar große Straßen waren zu überqueren, aber letztendlich sind wir recht problemlos angekommen. Und zu spät waren wir auch nicht, im Gegenteil wir waren diesmal nicht die letzten. Die italienischen Sicherheitsleute nehmen es allerdings nicht so ganz ernst mit den Kontrollen. Ich hatte meine festen Wanderschuhe an (in weiser Voraussicht, dass wir ganz viel laufen werden) die eben auch metallverstärkt sind. Also piepe ich beim durchgehen durch diesen Metalldetektor, war in Nürnberg auch schon so, der hat mich dann von oben bis unten abgefahren mit so einem Handding und festgestellt, dass es meine Schuhe sind. Ausziehen musste ich sie nicht, wahrscheinlich sah ich doch nicht wie ein Terrorist aus. In Italien hat der Typ mich zwar auch abgesucht, meine Schuhe aber gleich ausgespart. Also hat er gar nichts gefunden und ich durfte einfach so weiter.
In Nürnberg hat uns dann die Schwester von meinem Kumpel abgeholt und mich zur Uni gefahren, da ich ja noch mit meinem Rad Heim musste. Ich hätte mich natürlich auch von ihnen hinbringen lassen könne, aber dann wär mein Rad ja an der Uni gewesen und das ist schon doof. So dass ich Abends noch eine kleine Radtour machen durfte.

Insgesamt war der Urlaub richtig toll und ich würde es jederzeit wieder machen. Sicherlich sind wir zwar mehr als 60 km gelaufen in den 6 Tagen, aber es hat sich gelohnt. Und schon allein Anne zu besuchen war richtig klasse. Natürlich gibt es auch massenweise Fotos und sobald ich sie hab, werde ich eine kleine Auswahl online stellen.

Der Beitrag wurde am Freitag, den 4. Januar 2008 um 14:05 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Me abgelegt. Folgende Tags wurden dabei verwendet , , . Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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