Ich glaub ich werde heiraten
Am Montag tritt ein neues Gesetz in Kraft, dass es den Starfbehörden erlaubt unerlaubt auf privaten Rechnern herumzuschnüffeln. Aufmerksam geworden bin ich darauf bei flash, der einem sehr gut geschriebenen Artikel dazu veröffentlicht hat. Mich hat das dazu veranlasst selbst ein wenig auf Spurensuche zu gehen um herauszufinden, was es denn nun eigentlich mit dem Bundestrojaner auf sich hat. Aber wie das eben so ist mit Dingen, die geheim bleiben sollen, weiß eigentlich niemand was so richtig genauen. Wäre ja sonst auch nicht mehr geheim, klar.
Ich erinnere mich noch dunkel an die große Disskussion, die es von einigen Jahren gab, als es um den großen Lauschangriff ging. Das Entsetzen in der Öffentlichkeit war riesig und die Maßnahmen, die letztendlich erlaubt wurden, waren nicht so weitreichend wie vorgesehen. Jedoch blieb dieses Phänomen bei der aktuellen Frage aus. Viele Bürger sind sich wohl nicht bewusst, wie stark der Eingriff in ihre Privatsphäre durch das neue Gesetz sein kann ist. Es gibt also viele Spekulationen, wie der Trojaner es denn anstellen will sich auf dem heimischen Rechner einzuschleichen. Da ist von Bitstream-Manipulation über die SINA-Boxen der Provider die Rede und von Kooperationen von Softwareherstellern mit dem BKA. Außerdem hat Guidance Software wohl schon sehr lange ein Programm entwickelt, als
ein unauffälliger, passiver Software Agent mit Auto-Update, der auf den zu überwachenden Arbeitsplatzsystemen oder Servern installiert wird[...]
Tolle Wurst, denn angeblich soll die Software auch auf Linux funktionieren. Ich persönlich halte Linux trotzdem noch für die beste Möglichkeit sich zu schützen. Der Vorteil an OpenSource ist eben, dass man Einsicht in den Quelltext hat und sich somit quasi sein persönliches System zusammenstellen kann. Sicherlich hat nicht jeder das Können dafür, aber zum Schutz meiner Privatsphäre werde ich mich damit befassen. Ich flirte nun schon recht lange mit dem Pinguin, auch durch mein Studium, aber ich denke es wird Zeit für den nächsten Schritt. Wir werden leieren und Hochzeit ist nicht ausgeschlossen. Außerdem gibt es mit Linux wohl auch bessere Möglichkeiten sich vor der erwähnten Bitstream-Manipulation zu schützen, denn eigentlich zu jedem Download wird in einer seperaten Datei die md5-Checksum mitgeliefert. Nach dem Download sollte man diese eh überprüfen um sicher zu gehen, dass es alles gut gelaufen ist und wenn dann die heruntergeladene Datei verändert wurde, stimmt die Checksum höchstwahrscheinlich nicht mehr. Sicherlich ist auch das kein vollständiger Schutz vor den stasiähnlichen Methoden der Behörden, aber zummindest erschwert werden sollte es den neugierigen Beamten. Und schon zu DDR-Zeiten haben sich die Bürger in ihr Privatleben zurück gezogen um der Überwachung zu entgehen. Die Atmosphäre wurde kalt und unfreundlich und die Phobie vor der Öffentlichkeit wurde immer stärker. Hoffen wir, dass dies nicht wieder auftritt, denn Bespitzelung in großem Maßstab sorgt für Unruhe.
Linux wird dir nichts nützen. Schau dir mal das an. In irgendeinem Chaosradio hatte der Mann dahinter das auch nochmal genau geschildert.
Das Internet kann zentral kontrolliert werden, man wird zwar die ein oder andere Maßnahme umgehen können, aber über kurz oder lang ist man Hilflos.
Eine gute Lektüre ist übrigens das Buch 1984. Auch wenn ich es als Buch nicht so toll fand, so hat man danach ein gestärktes Bewusstsein für die Gefahren eines informationskontrollierenden Staat.
Dass das Internet auch jetzt schon kontrolliert wird, ist sicherlich eine andere Frage. Und dass uns Informationen nur gefiltert erreichen und man einfach alles hinterfradgen sollte, ist auch bekannt. Mir geht es eher darum, dass meine ganz persönlichen Rechte, der Schutz meiner Privatsphäre angegriffen wird. Selbst mit Windows war man (mit einigen getätigten Einstellungen) auf einer recht sicheren Seite. Aber der Bundestrojaner hebelt einfach alle Sicherheitsmaßnahmen aus und es ist ihm mit Windows nur sehr schwer beizukommen. Linux sehe ich deshalb als mittelfristig gute Alternative an um meine Persönlchkeit von Zugriffen, die ich nicht kontrollieren kann, zu schützen. Nehmen wir z.B. Damn Small Linux: das ist 50mb groß und kann komplett von einer Live-CD gestartet werden, so dass es im RAM läuft. Die Daten auf der Festplatte bleiben davon unberührt, können aber dennoch ganz normal benutzt werden. Würde der Bundestrojaner sich versuchen dort zu installieren (wobei selbst das ja bei Linux schon so eine Sache ist, das jede Distri andere Packete benötigt), so würde ihm das wohl nicht gelingen bzw. nach einem Neustart, hätte er es wieder mit einem anderen System zu tun. Und auch bei “festen” Linuxinstallationen ist das offene Dateisystem Ext2 wesentlich sicherer als NTFS. Mir ist bewusst, dass auch das kein 100%iger Schutz ist, aber es gibt Möglichkeiten zummindest einen Teil der Privatsphäre zu schützen.
Das Ding ist halt nur, dass der normale User, der kein Profi auf dem Gebiet ist, das wohl nicht können und nicht machen wird. Seine Privatsphäre schützt niemand und das geht mir, wie sicherlich auch vielen anderen gegen den Strich. Das Gesetz ist ein Schritt zurück, das hatten wir alles schonmal. Damals geschah es zum Schutz des Staates vor dem Klassenfeind, heute zum Schutz vor den Terrorismus. Die Methoden haben sich weiterentwickelt, aber das Ergebnis, der unkontrollierte Eingriff in die persönlichen Bereiche des Lebens, ist das Gleiche.
So, wahrscheinlich steh ich jetzt ganz oben auf der Liste des BKA…
Die Frage ist ja schonmal woher bekommst du eine garantiert trojanerfreie Installations-CD? Den Bundestrojaner an sich gibt es ja nicht, es ist schlicht die öffentlichkeitswirksame Verbildlichung einer Spezialeinheit von Hackern.
Das Arbument “Linux ist sicherer als Windows” ist übrigens ein Trugschluss. Die Sicherheitslücken sind in der Öffentlichkeit nur präsenter, weil es schlicht viel mehr Windowsrechner gibt.
Eine Diskussion über die Vor- und Nachteile von Linux und Windows würde jetzt doch zu weit gehen. Meine persönliche Meinung ist nur, dass Linux in den richtigen Händen sehr viel sicherer ist, als Windows. Und genau deshalb werde ich wohl jetzt komplett umsteigen.
Meine Argumente zu der Diskussion über den “Bundestrojaner”, habe ich dargestellt, aber natürlich will und kann ich niemanden zwingen diese auch so anzunehmen. Ich denke eben, dass man mit Linux dem Eingriff in die Persönlichkeitsrechte besser vorbeugen kann, als das mit Windows der Fall ist. Denn letztendlich müssen auch die Spezialhacker des BKA erstmal ein Programm auf meinen Rechner bringen und das ist mit Linux eben schwieriger. Sicherlich ist das Problem natürlich auch da gegeben, dass die Installations-CD schon mit dem Trojaner durchsetzt sein kann, aber wie gesagt, Checksums bieten da Abhilfe. Wenn natürlich auch diese manipuliert sind, besteht auch bei Linux das gleiche Problem, wie bei Windows. Absolute Sicherheit gibt es nicht, das ist denke ich allen klar, aber man kann sich wenigstens so gut wie möglich vor das Eindringen in persönliche Räume schützen. Wohnungsdurchsuchungen dürfen ja auch nicht ohne Beschluss durchgeführt werden. Aber wenn ich Tür und Tor öffne, muss ich mich nicht wundern, wenn ich plötzlich fremde Leute in meinem Schlafzimmer stehen hab.